Informations- und Orientierungsseite
der Kommission für die Geschichte der Deutschen in Polen e.V.
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Anzahl Literaturhinweise: 41

Schenk, Dieter
Krakauer Burg. Die Machtzentrale des Generalgouverneurs Hans Frank 1939-1945. Berlin 2010
Der Krakauer Wawel mit Königsschloss und Kathedrale, in der mehr als 30 polnische Könige gekrönt und zu Grabe getragen wurden, ist für die Polen ein nationales Heiligtum. Aber auch Staatsmänner wie Jozef Pilsudski, Schriftsteller wie Adam Mieckiewicz und Juliusz Slowacki oder Freiheitskämpfer wie Tadeusz Kosciuszko fanden hier ihre letzte Ruhestätte. Im April 2010 wurde hier auch der bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommene polnische Präsident Lech Kacynski beigesetzt. Krakau war in der Geschichte des Landes lange Zeit politisches Zentrum.

Nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs besetzten die Deutschen die Burg und richteten dort die Machtzentrale im neu geschaffenen Generalgouvernement ein, da Hitler die Metropole Warschau zu einer Provinzstadt herabwürdigen wollte. Zum Generalgouverneur ernannten sie den bisherigen Reichsrechtsführer Hans Frank ( -1946), der sich aufgrund seiner Prunksucht bald den Spitznamen »König von Polen« erwarb.
Der Wawel entsprach seinem Hang zu Prunk und Eigeninszenierung und diente daher als Kulisse für pompöse Feierlichkeiten und Aufmärsche. Sein „Machtsitz“ sollte „eine Insel der Kultur und der feinen Bildung“ werden „inmitten der slawischen Barbarenwelt“- gleichsam eine „urzelle deutschen Lebensraumes“. Dabei setzte er sich über den Widerspruch hinweg, dass der Wawel ein Werk der von ihm verachteten „slawischen Barbaren“ war. Krakau sollte das „Nürnberg des Ostens“, ein „Vorposten deutschen Lebens“ werden.

Gleichzeitig ließ er die Kunstschätze Polens beschlagnahmen und erteilte Anweisungen, das Land rücksichtslos auszubeuten, die polnische Intelligenz zu vernichten und den Holocaust vorzubereiten.
„Im Westen liegt Frankreich, im Osten wird Frank reich“ war ein geflügeltes Wort, das damals im Umlauf war.
Frank plünderte das ihm anvertraute Gebiet nicht nur aus wie eine Kolonie , er schuf auch willkürlich einen rechtlichen Rahmen für die Vernichtung „politisch verdächtiger Personen“. Allein 1942 ließ der „Schlächter von Polen“ von Polen 17.386 Personen hinrichten.
Dieter Schenk schildert anschaulich, wie die Krakauer Burg zum Kristallisationspunkt der NS-Verbrechen im Generalgouvernement wurde und vermittelt gleichzeitig einen Eindruck vom Leben im Generalgouvernement unter dem Hakenkreuz..
Insbesondere arbeitet er akribisch das Wirken Hans Franks als Generalgouverneur auf. Der Band enthält viele in Deutschland kaum bekannte Fotos.




Timtschenko, Viktor
Ukraine. Einblicke in den neuen Osten Europas. Berlin 2009

Die Ukraine liegt im Zentrum Europas, aber erst seit ein paar Jahren entdecken europäische Touristen das Land, darunter jährlich 230.000 Deutsche.
Aber für viele Deutsche ist die Ukraine noch immer ein weißer Fleck, ein Land irgendwo kurz vor der Grenze zu Asien. Dabei ist dieser östlichste Staat Europas auf dem Weg in die NATO und strebt den Beitritt zur EU.
Die Ukraine war bis 1991 nie ein selbständiger Staat.

Der Journalist Viktor Timotschenko ( u.a. Redakteur der Deutschen Welle ) schildert kenntnisreich die Situation und die Konflikte in seinem Heimatland in aller Schärfe und dennoch mit befreiendem Humor.
Mit 190 Euro Durchschnittslohn monatlich leben viele Familien mehr als bescheiden, während ehemalig Funktionäre und neue Oligarchien in den Jahren des „wilden Kapitalismus“ nach der Wende Reichtümer zusammengerafft haben.
Niemand muss sich daher wundern, dass Korruption eines der größten Probleme im Land darstellt.

Die Hoffnungen, die mit der „Orangenen Revolution“ 2004 verbunden waren, haben sich nicht erfüllt.
Bei der wirtschaftlichen Emanzipation von Russland wurde die Abhängigkeit vom russischem Öl und Gas unterschätzt. Einfuhrzölle und protektionistische Maßnahmen der EU sorgten für bittere wirtschaftliche Rückschläge der Ukraine. Dabei ist das Donezbecken die größte Industrieregion Osteuropas.
Dieses Buch verschafft auf vielseitige Weise einen Einblick in eine Gesellschaft im Umbruch.




Ziegler , Armin :
Posen- Öffentliches Leben im II.Weltkrieg. Institutionen und ihre Menschen. Schönaich 2010
Diese im Eigenverlag erschienene Veröffentlichung dokumentiert in sechs Kapiteln das öffentliche Leben Posens während des II. Weltkrieges.
Ärgerlich ,das für diese Veröffentlichung keine ISBN beantragt wurde - und es fällt auf, das auf den insgesamt 75 Din-A-Seiten (trotz des eher allgemein gehaltenen Titels" ) ausschließlich das "deutsche Leben" akribisch nachgezeichnet wird, aber die für Polen diskrimienierende Alltagswirklichkeit in dieser Veröffentlichung ausgespart bleibt.
Ebensowenig findet sich kein Hinweis auf die jüdischen Mitbürger und ihr Schicksal während der deutschen Besatzung.
Positiv erwähnt werden muß das akribische Auflisten des öffentlichen Bereiches der Deutschen während der sechsjährigen Besatzung Posens , das ein wichtiges Nachschlagewerk eines der dunkelsten Kapitel der Stadtgeschichte darstellt.
Zu Beziehen ist diese Veröffentlichung über den Autor (Amselweg 4, 71101 Schönaich) zum Preis von 19,80 Euro



Chwalba, Andrzej :
Kurze Geschichte der Dritten Republik Polen 1989 bis 2009. Wiesbaden 1010

Das deutsch-polnische Verhältnis ist aktuell von einigen Irritationen geprägt.
Daher ist eine ebenso umfassende wie informative Darstellung der Zeitgeschichte Polens nach der Wende mehr als hilfreich, denn das Wissen über unseren östlichen Nachbarn ist hierzulande doch eher als rudimentär zu bezeichnen.
Der Harrassowitz-Verlag schließt mit dem vorliegenden Buch eine Lücke der Analyse des Zustands des polnischen Staates und seiner Gesellschaft nach 20 Jahren Transformation.
Im Jahre 1989 stimmten die Polen bei den ersten freien Wahlen nach 1945 mit grosser Mehrheit für die von der „Solidarnosc“ vorgeschlagenen Wahllisten. Dieser politische Umbruch war das Ende der kommunistischen Volksrepublik und der Beginn der demokratisch verfassten polnischen Dritten Republik.
Das Land war ab diesem Zeitpunkt geprägt von einer grundlegenden Reform, die alle Lebensbereiche erfasste – mit zahlreichen positiven wie negativen Effekten.
Als nach den Parlamentswahlen 2005 die an die Macht gekommenen Rechten eine Zäsur setzen und die „Vierte Republik“ ankündigten, war das Ende der „Dritten Republik“ eingeläutet.
Dank der sehr guten analytischen Darstellung des Zustandes des polnischen Staates und der Gesellschaft liefert dieses Buch interessantes Material über die wichtigsten aktuellem Probleme, denen sich Polen heute stellen muß.
Eine lesenswerte Bilanz einer fünfzehnjährigen polnischen Zeitgeschichte, die kompetent Antworten auf folgende Fragen gibt:
• Hat Polen die ersten fünfzehn Jahre seiner Freiheit gut genutzt?
• Was waren die Erfolge, was die Misserfolge?. Was waren die Ursachen für diese Fehler?
• Welchen Preis haben die Polen dafür gezahlt, das sie als erste den Kommunismus hinter sich gelassen haben?
• Und vor allem: die zivilisatorischen und kulturellen Veränderungen und ihre Folgen für die Gesellschaft Polens werden aufgezeigt.

Dem Deutschen Polen-Institut in Darmstadt und dessen Mitarbeiter Pete Oliver Loew ist die deutsche Ausgabe dieses Buches zu verdanken, dessen Autor einen Preis der Wochenzeitung „Polityka“ für das beste historische Buch erhielt.

Eine Veröffentlichung, die zur Ausgestaltung tragfähiger bilateraler Beziehungen sicherlich beitragen wird, da sie einen „Innenblick“ in das Polen unserer Tage erlaubt.




Stefan Dyroff/Krystyna Radziszewska/Isabel Röskau-Rydel ( Hrsg.)
Lodz jenseits von "Fabriken, Wildwest und Provinz"
Kulturwissenschaftliche Studien über die Deutschen in und aus den polnischen Gebieten ( Polono-Germanica 4) ISBN 978-3-89975-184-0

Die vor 100 Jahren von Polen, Juden und Deutschen bewohnte Textilmetropole Lodz wurde als „Eldorado des Ostens“ angesehen. Lodz bot einerseits die Möglichkeit für Aufstieg und Wohlstand, barg andererseits aber auch die Gefahr der Proletarisierung und des sozialen Abstiegs. Die Stadt wurde und wird daher heute kaum mit Kultur assoziiert. Dennoch gab es auch hier ein vielfältiges kulturelles Leben.

Dieses Buch stellt mit den kulturellen Aktivitäten der neureichen Fabrikanten und gesellschaftlichen Aufsteiger sowie den volkstümlichen und heimatkundlichen Elementen der städtischen Kultur einige bisher kaum beachtete Aspekte in den Mittelpunkt. Dazu kommen Beiträge zur deutsch-jüdischen Literatur aus dem Getto Litzmannstadt sowie der deutschen Erinnerung an Lodz nach 1945.
Ergänzt wird dies durch drei weitere Beiträge, die sich mit dem Zeitungswesen und der Heimatliteratur der Deutschen in Großpolen und Galizien beschäftigen.

Dieser Band liefert zwölf Beiträge über die Deutschen in und aus den polnischen Gebieten und betrachtet neben dem Schwerpunkt Lodz auch Posen, Bromberg und Lemberg.




Morgenstern, Hans
Jüdisches Biographisches Lexikon. Eine Sammlung von bedeutenden Persönlichkeiten jüdischer Herkunft ab 1800. Münster 2009

Das vorliegende, im Münsteraner LIT-Verlag erschienene Buch, stellt mit den hier zusammen getragenen 6000 Kurzbiographien den Beitrag von jüdischen Persönlichkeiten sowohl zur allgemeinen wie zur spezifisch jüdischen Kultur in den europäischen Ländern, den USA und Russland dar.
Als „jüdisch“ wurden diejenigen Personen bezeichnet, die mindestens einen jüdischen Elternteil hatten; das religiöse Bekenntnis war nicht das Auswahlkriterium zur Aufnahme in dieses umfangreiche Kompendium.
Dieses fleißige, ambitionierte Sammelwerk macht einmal mehr deutlich, dass die Sensibilität und das Bewusstsein dafür gewachsen ist, welch großes Loch die Vernichtung der jüdischen Kultur in unserem Land und in Europa gerissen hat und wie gewaltig die Lücke ist, die die vertriebenen und getöteten Juden hinterlassen haben.
Nicht zuletzt -und dies gilt besonders für den mittel- und osteuropäischen Raum, wo das jüdische Leben fast bis zur Gänze ausgelöscht wurde, soll dieses Werk als Erinnerung an die Ermordeten und Vertriebenen dienen , und sie so vor dem Vergessen werden zu bewahren- so ein Anliegen Hans Morgensterns, das er im Vorwort festschreibt.
Aus den Biographien , die in diesem Buch zusammengefasst sind, geht hervor, das im Vergleich zu dem prozentual geringen Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerung ihr Anteil an Künstlern und Wissenschaftlern ein sehr bemerkenswerter war. So waren 28 % aller Nobelpreisträger Juden.

Noch aber ist die grundlegende Frage unbeantwortet : Wieso kommt soviel kulturelle Blüte aus einer so kleinen Gruppe von Menschen, die stets verfolgt, diskriminiert wurden und deren Gemeinsamkeit von einer feindlich gesinnten Umwelt definiert wird?

Auch wenn diese biographische Sammlung hierauf keine Antwort zu geben vermag, so liegt hier ein kompetentes spezifisches Nachschlagewerk vor, das nicht vollständig sein kann, aber verlässliche Informationen bereithält.




Andresen, Knud
Widerspruch als Lebensprinzip. Der undogmatische Sozialist Heinz Brandt (1909 – 1986) Bonn 2007

Der Sohn einer jüdischen Posener Familie studierte Volkswirtschaft in Berlin. 1931 trat er der KPD bei, wo er zur innerparteilichen Oppositionsströmung der so genannten „Versöhnler“ gehörte. 1933 nach der Machtübernahme durch die NSDAP engagierte er sich weiterhin politisch für die Kommunisten, wofür er 1934 zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt und nach deren Verbüßung Brand 1940 in das KZ Sachsenhausen überführt wurde. Von dort wurde er 1942 ins KZ Auschwitz deportiert.
1945 wurde Brandt in das KZ Buchenwald verbracht und erlebte dort die Befreiung. Er gelangte nach Berlin, wurde wieder Mitglied der KPD und bekam eine Anstellung bei der Stadtverwaltung als Mitarbeiter des unter der Leitung von Karl Raddatz (1904-1970) stehenden Hauptausschusses „Opfer des Faschismus“ (OdF). Ende 1945 wurde er Abteilungsleiter für Pressearbeit bei der KPD in Berlin und nach der Vereinigung von SPD und KPD 1946 für die SED. 1949/50 besuchte er die Parteihochschule Karl Marx und wurde anschließend Sekretär der SED-Bezirksleitung Berlin, zuständig für Propaganda (Schulung) und später für Agitation.
Während des Streiks am 16. Juni 1953 erwirkte Brandt eine Herabsetzung der hohen Arbeitsnormen. Während des Aufstandes vom 17. Juni 1953 versuchte Brandt, die Demonstrationen zu kanalisieren, da er sie als Tragödie empfand: Der vorher eingeleitete Neue Kurs der SED war gefährdet, Walter Ulbrichts Machtposition erneut gestärkt. Die Hoffnungen auf eine grundlegende Reform stalinistischer Politik waren so gescheitert. Im Zuge der Zaisser-Herrnstadt-Affäre wurde er von seinem Posten als Sekretär im August 1953 entbunden und erneut als Abteilungsleiter für die Westberlin-Arbeit der SED eingesetzt. Am 4. August 1954 erhielt er eine strenge Rüge wegen „unmoralischen Verhaltens“ und ein Jahr Funktionsverbot. Er wurde in einen Verlag versetzt.
1956 nahm Brandt über alte Bekannte im Westen Verbindung mit dem Ostbüro der SPD auf. Bis zu seiner Flucht 1958 berichtete er über oppositionelle Strömungen in der DDR, die er durch die Zusammenarbeit mit dem Ostbüro der SPD stärken wollte. Nach dem 20. Parteitag der KPdSU konnte Brandt nach Moskau reisen, um dort das Schicksal seiner Geschwister zu erkunden. Er erfuhr, dass sein Bruder den Stalinschen Repressionen zum Opfer gefallen, seine Schwester nach Sibirien verbannt worden war. Im September 1958 floh Brandt in die Bundesrepublik, da er eine Verhaftung zu befürchten hatte. Er fand eine Anstellung als Redakteur beim IG-Metall-Organ Metall. Am 16. Juni 1961 fand seine spektakuläre Entführung in die DDR statt. 1962 wurde er zu 13 Jahren Zuchthaus verurteilt, u. a. wegen des Vorwurfs, Beziehungen zum Ostbüro der SPD unterhalten zu haben.
Eine weltweite Kampagne der IG Metall, von Linkssozialisten, Amnesty International und Bertrand Russell führte 1964 zu seiner Freilassung. Nach der Rückkehr in die Bundesrepublik stritt Brandt für einen humanen Sozialismus.
Als IG-Metall-Redakteur hatte Brandt eine gewisse Diskursmacht in den späten 60er Jahren und den 70er Jahren. Allerdings verhielt er sich weitgehend organisationsloyal, erst nach seiner Pensionierung 1974 agierte Brandt sehr offen in der sozialistischen Linken. 1977 kritisierte Brandt die einseitige Pro-Atomkrafthaltung vieler Gewerkschafter und gründete gemeinsam mit anderen DGB-Mitgliedern die gewerkschaftliche Antiatomkraftinitiative „Aktionskreis Leben“, was ihm ein Ausschlussverfahren seitens des IGM-Vorstandes einbrachte, welches jedoch schnell – auch bedingt durch eine breite innergewerkschaftliche Solidaritätskampagne – eingestellt wurde.
Zusammen mit seinem Freund Rudi Dutschke beteiligte sich Brandt an dem langen Gründungsprozess der Grünen. Er hoffte, in einer breiten Sammlungspartei eine ökologische Katastrophe zu verhindern. Nachdem diese Vorstellungen jedoch scheiterten, trat Brandt 1980 aus den Grünen wieder aus. Er verstand sich als unabhängiger Marxist, der die Linke kritisierte, vor allem bezüglich einer zu positiven Bewertung der Sowjetunion. Im Dezember 1984 verlieh ihm die Universität Osnabrück die Ehrendoktorwürde.

Den Lebensweg dieses undogmatischen Sozialisten zeichnet der Historiker Knud Andresen in dem vorliegenden Buch, das als Dissertation entstanden ist, kompetent, lesenswert und sachkundig nach. Und: Es ist die erste umfassende Biographie eines „Querdenkers“, der zeitlebens an der Utopie festhielt, zur Gestaltung einer humanen Gesellschaft auf der Basis eines demokratischen Sozialismus mit seiner Arbeit und seinem Wirken beizutragen
Ein Leben geprägt von Nonkonformismus und Widerspruchsgeist und immer brachten ihn seine Überzeugungen in Konflikt mit den bestehenden politischen Verhältnissen, zu den jeweiligen politischen Mächtigen.

Der Titel des Buches beschreibt die vorliegende Publikation und das Leben Heinz Brandts exakt und zutreffend.
Die Stationen seines Lebens spiegeln nicht nur ein überaus wechselvolles Schicksal, dem die Katastrophen der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert ihren Stempel aufdrückten.
Ein uneingeschränkt empfehlens – und lesenswertes Buch.




Jaszczuk, Paweł
Der Teufel von Lemberg. München 2009

Auf ein für Historiker ungewöhnliches Genre wollen wir heute hinweisen – nämlich auf einen Kriminalroman, der mit dem Arbeitsanliegen dieser Kommission durchaus etwas verbindet:

Eine Reihe von geheimnisvollen Morden versetzt die Menschen in Lemberg des Jahres 1936 in Angst und Schrecken.
Der Reporter Jakob Stern ist entschlossen, den Serienmörder zu finden.
Der Autor dieses Kriminalromans wurde 1954 in dem ostpreußischen Osterrode (Ostróda) geboren und mit dem angesehenen polnischen Krimipreis „Wielki Kaliber“ ausgezeichnet. Parallel zur Romanhandlung wird das Polen der Zwischenkriegszeit lebendig - das ehemals polnische Lemberg, eine der größten Städte der historischen Landschaft Galizien und 2009 ukrainische Kulturhauptstadt – wird mit all seinen innenpolitischen Konflikten der dreißiger Jahre thematisiert, das vom Zusammenleben mehrerer Nationalitäten geprägt und gestaltet wurde.
Ein anspruchsvoller , spannender Krimi, der „Gänsehaut“ erzeugen kann und gleichzeitig -scheinbar en passant- Einblick in das Zeitkolorit politischer Geschichte gewährt.




Harald Schäfer
Blätter zur ostpolitischen Bildungsarbeit ... anders reisen. Wielkopolska für Entdecker Monsenstein und Vannerdat ISBN : 978-3-86582-809-5 Paperback, 420 Seiten, 25,40 Euro.
(Hs) Das Bundesland Hessen und die Wojewodschaft Wielkopolska haben im Jahr 2000 eine gemeinsame Erklärung über eine partnerschaftliche Zusammenarbeit unterzeichnet. Das Land Hessen ist damit seine fünfte Regionalpartnerschaft eingegangen.
In der Region befindet Europas größtes Fledermausreservat, Woodstock lebt in Wielkopolksa weiter, Gnesen ist der „Geburtsort“ Polens … es gibt viel zu entdecken in Hessens Partnerregion.
Die Deutsche Jugend in Europa (djo) / Landesverband Hessen e.V. hat deshalb ein Praxishandbuch vorgelegt, um Schulklassen und Jugendgruppen zu einem Aufenthalt in Wielkopolska zu animieren.
Es gibt auf 420 Seiten Tipps und Hinweise, vermittelt Fakten für Klassenfahrten und Jugendseminare in Hessens Partnerregion. Praxisnahe Informationen (z.B. über geeignete Unterkünfte) sind darin ebenso enthalten wie Vorschläge zur Vorbereitung und Hinweise zur Finanzierung sowie thematische Angebote zur Ausgestaltung solcher Aufenthalte.
Herausgeber und Autor hoffen, mit dieser Veröffentlichung einen Beitrag dazu zu leisten, Hessens Partnerregion besser kennen zu lernen.
Wielkopolska ist eine Region intensiver deutsch-polnischer Nachbarschaft. Diese Kernlandschaft des altpolnischen Staates wurde in den Teilungen Polens im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts dem preußischen Staat zugeschlagen, nach dem gescheiterten polnischen „Posener Aufstand“ vom April/Mai 1848 zur Provinz Posen ohne Sonderstaus degradiert, im Zuge der deutschen Reichs-gründung gegen starken polnischen Protest Bestandteil des Deutschen Reiches, nach dem Versailler Vertrag 1919 Teil des neu gegründeten polnischen Staates und nach der Okkupation Polens 1939 als „Reichsgau Wartheland“ wiederum dem Deutschen Reich einverleibt. Mit der Deportation und Tötung der jüdischen Bevölkerung, der zwangsweisen Aussiedlung von Polen zwischen 1939 und 1945 sowie der Evakuierung und Flucht der deutschen Bevölkerung aus diesem Raum wurden die Erfahrungen einer gemeinsamen Geschichte und einer über jahrhunderte hinweg friedlichen, wenn auch nicht spannungs- und konfliktfreien, Nachbarschaft innerhalb kürzester Zeit dem Vergessen anheim gestellt.
Mit den veränderten politischen Rahmenbedingungen in Mittel- und Osteuropa ist auch ein Wegfall der Visumspflicht für deutsche Reisende verbunden, so dass das Reisen nach Polen ohne große Formalitäten möglich ist. Es besteht die historische Chance, nach dem Beispiel der gelungenen Aussöhnung mit dem „Erbfeind Frankreich“ nun auch mit Polen gutnachbarschaftliche Beziehungen zu entwickeln.
Die Deutsche Jugend in Europa (djo) / Landesverband Hessen e.V. möchte mit diesem Buch jungen Leuten aus Hessen eine Region Polens ein wenig näher bringen und Neugier auf dieses Land zu wecken. Die Informationen dieser Veröffentlichung sollen „Zaghaften“ Mut machen, „unsere“ Partnerregion Wielkopolska zu besuchen.




Edmund Dmitrów/Tobias Weger (Hg.)
Deutschlands östliche Nachbarschaften. Eine Sammlung historischer Essays für Hans Henning Hahn. Frankfurt a.M. 2009 (= Die Deutschen und das östliche Europa, Studien und Quellen 4)
Die Beiträge dieses Sammelbandes dokumentieren die geistige Welt einer Nachbarschaft von Wissenschaftlern aus Polen, Deutschland und Tschechien, mit denen Hans Henning Hahn seit den 1970er Jahren zusammenarbeitet. Sie alle verbindet die Zugehörigkeit zu einer spezifischen kulturgeschichtlichen Tradition: der Fähigkeit all jener Menschen, die es vermögen, sich über kulturelle Unterschiede und politische Konfliktlagen hinweg miteinander zu verständigen.

Hans Henning Hahn ist Ordinarius für Osteuropäische Geschichte an der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg.Er ist Verfasser von zahlreichen Veröffentlichungen zur polnischen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, zur Geschichte der deutsch-polnischen und deutsch-tschechischen Beziehungen und zur Sterotypenforschung .Unter anderem ist er Mitglied des Präsidiums der Deutsch-Polnischen Schulbuchkonferenz, des JG.Herder-Forschungsrates und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats am Bundesinstitut für die Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa.

Der Titel des Buches „Deutschlands östliche Nachbarschaften“ trägt der Tatsache Rechnung, dass die Geschichte der bilateralen Beziehungen keineswegs auf ihre staatsrechtlichen, politischen, nationalen oder ethnischen Merkmale reduziert werden sollte. Der geographische Standort Deutschlands in Europa prädestiniert eher zu einer Brückenfunktion,nicht zu einer Überheblichkeit. Der vorliegende band veranschaulicht vielmehr die Vielfalt jener Beziehungen, in denen Deutsche im östlichen Europa seit Jahrhunderten mit Menschen anderer nationaler Zugehörigkeit gelebt haben und teilweise bis heute leben und Nachbarschaften aufgebaut und gepflegt haben.
Das Buch ist Hans Henning Hahn asnläßlich seines 60. Geburtstages gewidmet – einem Wissenschaftler, eingebunden in ein Geflecht der akademischen Nachbarschaften.




Wilhelm von Sternburg
Joseph Roth. Eine Biographie. Köln 2009

Der Todestag des bekennenden Juden aus Galizien, Wiener Student und Weltkriegssoldat, Starjournalist der Weimarer Republik, Literat mit Weltruhm, Alkoholiker im Pariser Exil, jährt sich in diesem Jahr zum 70.Mal.

Kaum einer war so geschickt darin, seine Biographie ständig neu zu erfinden.

Der renommierte Publizist Wilhelm von Sternburg, Chefredakteur Fernsehen des Hessischen Rundfunks,bringt Licht in das von Mythen durchwirkte Selbstbild Roths. Er legt die Wurzeln im Ostjudentum und die Motive für Roths Habsburgsehnsucht frei, er spürt der melancholischen Ironie und dem heiteren Pessimismus des stets neu enttäuschten Humanisten nach. Anschaulich erzählt er von Roths Aufstieg, den bitteren Jahren der Emigration, Roths unbeirrtem publizistischen Kampf gegen die Nazi-Barbarei, vom Wahnsinn seiner Ehefrau und von Roths körperlichen Verfall.
Ab 1933 hatte er als Jude Schreibverbot in Deutschland und seine Werke, u.a. der 1932 erschienene Roman “Radetzkymarsch“, brannten am 10.Mai 1933 in Berlin.Er tötete sich selbst und langsam, oder wie es Zeitgenossen kommentierten: „ Er säuft sich systematisch zu Tode“. Sein letztes Werk trägt nicht zufällig den Titel „Die Legende vom Heiligen Trinker“.
Als ihn die Nachricht vom Selbstmord des Schriftstellers Ernst Toller erreicht, bricht er zusammen,wird in ein Krankenhaus eingeliefert, wo er vier Tage später verstirbt.
Als Jude gehörte er zu einer diskriminierten,immer wieder verfolgten Minderheit. Obwohl assimiliert und vorbehaltlos dem deutsch-österreichischen Sprach- und Kulturraum zugehörig, bleibt sein literarisches Werk von seinem Judentum entscheidend geprägt.Und: Er ist ein Mensch der Grenzregion und des galizischen Völkergemischs, das ihn zum Kosmopoliten werden lässt.
Heimat verlassend, Heimat suchen – ein zentrales Motiv der Biographie dieses Schriftstellers.
Diese Roth-Biographie ist eine Faktenreiche und fesselnd erzählte Lebensbeschreibung. Sprachlich brillant und mit großem psychologischem und historischem Wissen verknüpft von Sternburg das Lebensbild Joseph Roths mit der Werk- und Zeitgeschichte.
Ein Buch, das die Lust weckt, wieder Joseph Roth zu lesen.

Bibliografie, Auswahl :
Der Vorzugsschüler (Novelle, gekürzte Fassung 1916, vollständig: 1973)
Das Spinnennetz (Roman, Vorabdruck: 1923, Buchausgabe: 1967)
Hotel Savoy (Roman, 1924)
Die Rebellion (Roman, 1924)
Juden auf Wanderschaft (Essay, 1927)
Die Flucht ohne Ende (Roman, 1927)
Rechts und Links (Roman, 1929)
Der stumme Prophet (Roman, Fragment: 1929, vollständig: 1966)
Hiob (Roman, 1930)
Stationschef Fallmerayer (Erzählung, 1933)
Das falsche Gewicht (Roman, 1937)
Die Kapuzinergruft (Roman, 1938




„Ich bin ein halber Pole, ein halber Deutscher und ein ganzer Jude“. Wolke und Weide. Reich-Ranickis polnische Jahre
Marcel Reich-Ranicki, viel bewundert und viel gescholten, ist so bekannt und populär, so einflussreich und schließlich auch so umstritten, wie wohl kein deutscher Literaturkritiker zuvor.
Der“Herr der Bücher“ bewies mit seinem „Literarischen Quartett“ seit 1988, dass die Vermittlung anspruchsvoller Literatur im Fernsehen höchst unterhaltsam sein kann.

Seite 1999 verlegte Autobiographie „Mein Leben“ verkaufte sich 1,2 Millionen mal.

Gerhard Gnauck – Autor des hier anzuzeigenden Buches – ging 1999 als Korrespondent für die Tageszeitung „Die Welt“ nach Polen. Er recherchiert seitdem über die polnischen Jahre im Leben des Reich-Ranickis. Daher schließt das Buch mit dem Jahr 1958- dem Jahr der Flucht Marcel Reich-Ranickis in die Bundesrepublik Deutschland.
Dieses Buch ergänzt die Biographie „Mein Leben“, präzisiert sie dort, wo Dinge unklar erscheinen- aber es ist kein „Enthüllungsbuch“ über die geheimdienstlichen Aktivitäten des Literaturkritikers unmittelbar vor dem Ende des 2. Weltkrieges bis 1950, die nicht schon bekannt wären.
Insbesondere das Kapitel “Mutmaßungen über Platon“ enthält nur Andeutungen über eine diesbezügliche Tätigkeit als informeller Mitarbeiter des polnischen Geheimdienstes in Berlin – eine definitive und vor allem belegte Antwort bleibt offen.

Aus Zeitzeugenberichte und bisher unbekannten Dokumenten erhalten Marcel Reich-Ranickis „polnische Jahre“ weitere Konturen.
Mit „Wolke und Weide“ ist Gerhard Gnauck ein einfühlsames Porträt geglückt. Und es gelingt, angemessen und unaufgeregt einige Korrekturen an der Autobiographie Reich – Ranickis anzubringen, die für das Verständnis der Person und ihrer Arbeit notwendig und erforderlich sind.




Krakowski, Shmuel
Das Todeslager Chelmno/Kulmhof. Der Beginn der "Endlösung" [Herausgegeben von Gedenkstätte Yad Vashem. Übersetzt von Rachel Grunberg Elbaz]. Göttingen: Wallstein Verlag 2007. ISBN 978-3-8353-0222-8; 236 S.;
Am 19. März 1943 wandte sich der Reichsstatthalter und Gauleiter der NSDAP im Reichsgau Wartheland, Arthur Greiser, mit einem Schreiben an Reichsführer-SS Heinrich Himmler. Darin heißt es unter anderem: „Ich habe vor einigen Tagen das frühere Sonderkommando Lange, das heute unter dem Befehl des SS-Hauptsturmführers Kriminalkommissar Bothmann steht und als Sonderkommando in Kulmhof, Kreis Warthbrücken, seine Tätigkeit am Ende d. Mts. einstellt, besucht, und dabei eine Haltung der Männer des
Sonderkommandos vorgefunden, die ich nicht verfehlen möchte, Ihnen, Reichsführer-SS, zu gefälligen Kenntnis zu bringen. Die Männer haben nicht nur treu und brav und in jeder Beziehung konsequent die ihnen übertragene schwere Pflicht erfüllt, sondern darüber hinaus auch noch haltungsmäßig bestes Soldatentum repräsentiert“ (S. 124). Mit der in jeder Beziehung konsequent durchgeführten Pflicht umschreibt Greiser die Tätigkeit des Personals im Vernichtungslager Chelmno. Das kleine polnische Dorf, das nach dem Überfall Deutschlands auf Polen den deutschen Namen Kulmhof erhielt, liegt im Kreis Kolo am Fluss Ner, rund 70 Kilometer nordwestlich von Lódz. Bis zum Kriegsausbruch 1939 lebten dort rund 250 polnische Bauern. Nachdem sie größtenteils vertrieben worden waren, wurden im Dorf vor allem „Heim-ins-Reich-geholte“ Wolhynien-Deutsche angesiedelt.

Das in Chelmno eingerichtete Vernichtungslager unterscheidet sich durch mindestens drei Merkmale wesentlich von den anderen fünf nationalsozialistischen Vernichtungslagern. Es war im Unterschied zum
Generalgouvernement das einzige Vernichtungslager, das in dem nach dem Polenfeldzug dem Deutschen Reich eingegliederten Reichsgau Wartheland bestand. In Chelmno wurde am 8. Dezember 1941, und damit am frühesten, die systematische Ermordung von Juden aufgenommen. Darauf zielt der
Untertitel des Buches von Krakowski – „Der Beginn der ‚Endlösung’“.
Zudem erfolgte die Tötung der Opfer mit Hilfe von Gaswagen. Dabei handelte es sich um Lastkraftwagen, auf deren Fahrgestell ein luftdicht abgeschlossener Kastenaufbau montiert war. In ihnen wurden durch das Einleiten der Motorabgase des Fahrzeugs Menschen gezielt durch
CO-Vergiftung getötet. In den zeitgenössischen Dokumenten werden die Fahrzeuge „Sonderwagen“, „Spezialwagen“, „Sonderfahrzeuge“ oder „S-Wagen“ genannt. Während der zwei ‚Betriebsphasen’ des Lagers (Dezember 1941 bis März 1943 und April 1944 bis Januar 1945) wurden im Vernichtungslager Chelmno (bestehend aus dem sogenannten Schloss und dem Waldlager) mindestens 152.000 Menschen getötet, vor allem Juden aus dem Warthegau und insbesondere aus dem Ghetto in Lódz, aber auch Sinti und Roma aus dem Burgenland, russische Kriegsgefangene und tschechische Kinder aus Lidice.

Aber nicht nur bezogen auf seine Lage, den frühen Zeitpunkt der Inbetriebnahme des Lagers und die eingesetzte Tötungstechnik erweist sich das Vernichtungslager Chelmno als Sonderfall. Auch
forschungsgeschichtlich betrachtet nimmt Chelmno eine Sonderstellung unter den nationalsozialistischen Vernichtungslagern ein. Im Vergleich zu den anderen Lagern ist der Forschungsstand zu Chelmno als dürftig zu bezeichnen. Es liegen wenige Publikationen zu diesem Lager vor. Die einzige monographische Untersuchung ist eine polnische Publikation von 1946.[1] Der Autor ist ein Richter, der Chelmno im Rahmen der Kommission zur Untersuchung deutscher Kriegsverbrechen in Polen untersuchte. Hinzu
kommen einige deutsche Beiträge, darunter jener von Shmuel Krakowski in der 1983 erschienenen Dokumentation „Nationalsozialistische Massentötung durch Giftgas“.[2] Erst in jüngster Zeit findet das Vernichtungslager Chelmno größere Aufmerksamkeit in der Forschung.[3]

Der unbefriedigende Forschungsstand, die langjährige Beschäftigung mit dem Komplex Chelmno und offensichtlich auch der biographische Bezug zu den Geschehnissen bilden den Ausgangspunkt für die von Shmuel Krakowski vorgelegte Studie. Dabei greift der zunächst als Chefarchivar am Jüdischen Historischen Institut in Warschau und dann als Direktor des Yad Vashem-Archivs in Jersualem tätige Historiker auf drei Quellengruppen zurück. Erstens zieht er die spärliche polnische, hebräische, jiddische sowie deutsche Literatur (Quelleneditionen, Forschungsergebnisse und Selbstzeugnisse) heran. Gerade letztere entspricht aber nicht immer dem neusten Forschungsstand.[4] Hinzu kommt zweitens die aufgrund der im Januar 1945 vom Lagerpersonal vorgenommenen gezielten Aktenvernichtung nur geringe Zahl an überlieferten Dokumenten.
Und schließlich wertet Krakowski drittens vor allem die im Yad-Vashem-Archiv als Kopien vorliegenden Unterlagen von unterschiedlichen polnischen Ausschüssen zur Untersuchung von Naziverbrechen sowie die Verfahren aus, die seit 1959 vor deutschen Gerichten gegen Verantwortliche des Massenmordes im Warthegau sowie gegen Angehörige des Lagerpersonals in Chelmno durchgeführt worden sind.

Von dieser Quellengrundlage ausgehend, aus der insbesondere Zeugenaussagen und Selbstzeugnisse (viel zu) ausgiebig zitiert werden, ist es Ziel der Studie, nicht nur die Geschichte des Lagers, also seine
Entstehung, die Organisation, das Personal, die Zuständigkeiten, die gerichtliche Verfolgung der Täter und die Formen der Erinnerung an das Lager darzustellen. Krakowski versucht auch die Geschichte des Lagers in den Kontext des Vernichtungsprozesses der Juden im Warthegau zu stellen, wobei er besonders auf die Geschichte der Ghettos in Lódz eingeht.
Beiden Anliegen dienen die im Anhang bereitgestellten Karten, ein Lageplan des Lagers, zeitgenössische Fotos über die Deportationen aus dem Ghetto Lódz sowie Bilder der in Chelmno eingerichteten
Gedenkstätte.

Die eher mit Empathie für die Opfer berichtende und zitierende als analysierende Studie ist in insgesamt neun chronologisch angeordnete Kapitel gegliedert. Zunächst wird die Geschichte der jüdischen Bevölkerung auf dem Gebiet des Reichsgaus Wartheland vor dem Zweiten Weltkrieg bis zum Beginn der Vernichtung knapp umrissen. Die Errichtung des Lagers, die ersten Deportationen und der Beginn der Tötungen in Chelmno, die „Liquidierung der Gemeinden in den Provinzstädten“ sowie die Phasen der Deportationen aus dem Ghetto Lódz bis zur endgültigen Liquidierung des Ghettos im Frühjahr 1944 werden in den folgenden Kapiteln geschildert. Spätestens hier wäre der Ort gewesen, wo auf die Sonderstellung des Lagers Chelmno im Rahmen der nationalsozialistischen Vernichtungslager hätte deutlicher eingegangen werden können. Mit der eingesetzten Tötungstechnik der Gaswagen, welche die Studie nur randständig streift, und dem Lagerpersonal erweist sich Chelmno nämlich als wichtiges Bindeglied zwischen dem nationalsozialistischen Euthansieprogramm und dem seit Ende 1941 in den Vernichtungslagern industriell durchgeführten Genozid. Dem Raub jüdischen Besitzes, der Auflösung des Lagers im Januar 1945 und der gerichtlichen Verfolgung der Täter geht die Studie jeweils in einem eigenen Kapitel nach. Im Nachwort legt Krakowski eine bereits bekannte Bilanz der Opferzahlen vor,
versucht Besonderheiten des nationalsozialistischen Völkermords im Warthegau zu benennen, um abschließend in Stichworten die Geschichte der Erinnerung an das Vernichtungslager zu schildern, deren vorerst letzte Station das 1990 eröffnete Museum darstellt.

Krakowski kann mit seiner Studie das selbst gesteckte Ziel, den Informationsstand zum Vernichtungslager Chelmno zu erweitern und zu vervollständigen sowie auf den „gebührende(n) Stellenwert der Tragödie von Chelmno“ (S. 10) im Rahmen des nationalsozialistischen
Vernichtungsprogramms aufmerksam zu machen, sicher erreichen. Die mit dem Titel suggerierte Geschichte des Vernichtungslagers Chelmno liegt damit aber (noch) nicht vor. Sie bleibt ein Desiderat der Forschung.

Anmerkungen:
[1] Wladyslaw Bednaz, Obóz stracen w Chelmnie nad Nerem, Warschau 1946.
Deutsche Übersetzung: Das Vernichtungslager zu Chelmno am Ner, Warschau
1949.
[2] Shmuel Krakowski: In Kulmhof. Sationierte Gaswagen, in: Eugen Kogon
u.a. (Hrsg.), Nationalsozialistische Massentötung durch Giftgas. Eine
Dokumentation, Frankfurt am Main 1983, S. 110-145, 313f.
[3] Lucja Pawlicka-Nowak (Hrsg.), The Extermination Center für Jews in
Chelmno-on-Ner in the Light of the Latest Research. Symposium
Proceedings, September 6-7, 2004. Konin 2004; Peter Klein,
Kulmhof/Chelmno, in: Wolfgang Benz / Barbara Diestel (Hrsg.), Der Ort
des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager.
Bd. 8: Riga-Kaiserwald, Warschau, Vaivara, Kauen (Kaunas), Plaszów,
Kumhof/Chelmno, Belzec, Sobibór, Treblinka, München 2008, S. 301-328.
[4] Vgl. u.a. Michael Alberti, Die Verfolgung und Vernichtung der Juden
im Reichsgau Wartheland 1939-1945, Wiesbaden 2006.

Mathias Beer <mathias.beer@idgl.bwl.de




Sascha Feuchert, Erwin Leibfried, Jörg Riecke (Hrsg.)
Die Chronik des Gettos Lodz/‌Litzmannstadt. 5 Bände. Wallstein Verlag Göttingen 2007
Im nationalsozialistischen Dritten Reich war Lodz die größte Stadt in den annektierten westpolnischen Gebieten. Sie verfügte zugleich über die höchste jüdische Einwohnerzahl einer Stadt im Reichsgebiet. Nach der Flucht von Zehntausenden, die sich weiter östlich in Sicherheit zu bringen versuchten und ersten Deportationen aus der Umgebung, lebten hier im Winter 1940 noch etwa 160 000 Personen, also rund 5% der polnischen Juden. Die meisten von ihnen wurden unter dem NS-Regime gezwungen, in ein heruntergekommenes Viertel am Rande der Innenstadt zu ziehen, wo schon 60 000 jüdische Einwohner lebten. Dieses Gebiet von rund 4 km² schlossen die Nationalsozialisten Ende April 1940, drei Wochen nach der Umbenennung von „Lodsch“, wie sie es anfangs nannten, in „Litzmannstadt“, mit Zäunen und Stacheldraht völlig ein; die Wachen der deutschen Schutzpolizei hatten Schießbefehl.

Das jüdische Vertretungsorgan unter dem „Ältesten der Juden“, dem „Präses“ Chaim Rum­­kow­ski, wurde für die internen Belange in „Litzmannstadt-Ghetto“ verantwortlich gemacht. Er unterbreitete den Eroberern, deren Ge­waltregime sich seit September 1939 durch einen skrupellos brutalen antijüdischen Terror auszeichnet hatte, das Angebot, die jüdische Arbeitskraft zum Nutzen der deutschen Kriegswirtschaft einzusetzen. Damit sollte die Existenz der in beispiellosem Umfang enteigneten und beraubten jüdischen Bevölkerung gewährleistet werden.

Für die Nationalsozialisten war die Absperrung des Gettos eine Übergangsmaßnahme, der innerhalb eines halben Jahres die restlose Abschiebung in das Generalgouvernement folgen sollte. Doch als diese sich nicht durchführen ließ, verwandelten sie das Provisorium auf Betrei­ben Rumkowskis in ein „Arbeitsghetto“, das vor allem Aufträge der Wehrmacht erfüllte. Produktion und Warenverkehr wurden von der deutschen „Ghetto-Verwaltung“ gelenkt, die der Bremer Kaufmann Hans Biebow anführte.

Während die unmenschliche ökonomische Ausbeutung zahlreichen Insassen ein zeitweiliges Überleben ermöglichte, diente das Getto 1941/42 als Abladeplatz für Juden, die aus unterschiedlichen Teilen des Reichsgebiets und besonders aus den aufgelösten jüdischen Gemein­den des östlichen Warthegaus hierher deportiert wurden. Außerdem wurden hier 5000 Ro­ma einquartiert. Insgesamt etwa 45.000 Insassen fielen den elenden, von Man­gelernährung und Krankheiten geprägten Existenzbedingungen zum Opfer. Anfang 1942 gingen die Nationalsozialisten dazu über, die nicht arbeitenden Getto-Insassen zu ermor­den; bis September wur­den etwa 70 000 von ihnen in das Tötungszentrum Chełm­no/Kulm­hof deportiert. 1943, im ruhigsten Jahr seines Bestehens, beherbergte das Getto noch zwischen 85.000 und 90.000 Insassen. Die 1944 Verbliebenen ermordeten die Nationalsozialisten zum kleineren Teil im Juni/Juli in Chełmno, zum größeren Teil im August in einer abschließenden Mordkampagne nach dem Abtransport in das Lager Auschwitz-Birkenau. Nur etwa 3% der ehemaligen Insassen von „Litz­mannstadt-Ghetto“ erlebten das Ende der nationalsozialistischen Herrschaft.

Der Rumkowski unterstehende Verwaltungsapparat verfügte über ein Archiv, in dem seit Januar 1941 das alltägliche Geschehen innerhalb der Umzäunung vermerkt wurde. Auf diese Weise entstand eine einzigartige Sammlung von Dokumenten. Die deutsche Getto-Verwaltung hatte von dem Projekt offenbar keine Kenntnis (Band 5, S. 175), anderenfalls hätte sie gewiss darin Einblick genommen oder sich der Dokumente am Ende bemächtigt. So überstanden die Papiere wie durch ein Wunder und dank der Tatsache, dass Nachman Zonabend sie im Oktober 1944 verbergen konnte, die Vernichtung des Gettos.

Von Danuta Dąbrowska bzw. Lucjan Do­broszycki edierte Teile bzw. Auszüge erschienen Mitte der sechziger Jahre auf polnisch und 1984 auf englisch. Erstaunlicherweise entdeckte der deutsche Forschungsbetrieb den außerordentlichen Wert dieser Quelle erst später. Doch hat eine überdisziplinäre Gruppe von Wissenschaftlern der „Arbeitsstelle Holocaustliteratur“ der Universität Gießen nun in Zusammenarbeit mit Kollegen aus Lodz eine vollständige, verschiedene Überlieferungen einbeziehende Edition dieser Chronik vorgelegt, die mit Endnoten sehr gründlich kommentiert wurde. Der Kommentierungsbedarf verringert sich von einem Viertel des Gesamtumfangs in den ersten beiden Bänden auf weniger als ein Achtel im 3. und 4. Band.

Die ersten vier Bände enthalten die Tageschroniken, die in den dreieinhalb Jahren von 1941 bis 1944 verfasst wurden und, so Mithrsg. Sascha Feuchert, „die wahrscheinlich umfangreichste Dokumentensammlung einer jüdischen Verwaltung“ aus der Zeit des nationalsozialistischen Judenmords darstellen (Band 5, S. 168). Der Chroniktext allein umfasst einschließlich der Anhänge über 2000 Buchseiten. Jedem Band ist eine knappe Einleitung von Andrea Löw und Sascha Feuchert vorangestellt, dem ersten auch dessen Vorwort, in dem er das Gesamtunternehmen umreißt. Vertiefende, ausführlichere Begleittexte von Andrea Löw und den Hrsg. finden sich im fünften Band, der auch Erläuterungen zur Editionspraxis, abweichende Text­fassungen und eine Reihe von Einzeltexten der Chronisten umfasst, die in die eigentliche Chro­nik nicht aufgenommen wurden.

Der Aufbau der Tageschronik ist standardisiert: Er enthält jeweils zu Beginn die laufende Nummer, Wochentag und Datum, Angaben zur Wetterlage, zur Bevölkerungsentwicklung, nicht zuletzt den Selbstmorden, und dann kurze, meist aus einigen Zeilen bestehende Mitteilungen zu Vorkommnissen, die sich an dem betreffenden Tag ereignet hatten. Dabei überwiegen jene, die für das Überleben am wichtigsten waren: die (Unter-)Versorgung des Getto-Arbeitslagers mit Waren des täglichen Bedarfs, insbesondere mit Nahrungsmitteln und – im Winter – Heizmaterial, sowie deren gerechte Verteilung, die Auftragslage der Fertigungsbetriebe und während der Deportationen der Fortgang der angeblichen „Aussiedlungen“. Mitunter greifen ergänzende Bei­lagen in Berichten jene Themen auf, die an dem fraglichen Tag von besonderer Bedeutung waren.

Die Sprache der Aufzeichnungen war bis Au­gust 1942 durchgängig Polnisch, dann für einen Übergangszeitraum zweisprachig und seit 1943 nur noch Deutsch. Der Wechsel hing mit Veränderungen in der Gruppe zusammen, welche die Chronik erarbeitete. Sie bestand zunächst aus einheimischen Publizisten unter der Leitung des Gründers der Chronik, Julian Cukier (1904–1943). Mit der Vertreibung von Westjuden nach „Litzmannstadt-Ghetto“ gelangten im Herbst 1941 Journalisten aus dem deutschsprachigen Raum zu der mit der Chronik befassten Gruppe, unter ihnen der Wiener Zionist Dr. Oskar Rosenfeld (1884–1944) und Dr. Os­kar Singer (1893–1944) aus Prag, der um die Jahreswende 1942/43 die Leitung übernahm. Im täglichen Leben und in der Verwaltung spielte auch die jiddische Sprache eine bedeutende Rolle, bis Biebows Verwaltung sie zurückdrängte, unter anderem im Oktober 1942 mit dem Versuch, die hebräische Schrift aus dem Getto zu ver­bannen (Band 2, S. 505). Über die Erfahrungen einer geübten Sekretärin in der sprachlich so anders gearteten neuen Umgebung nach der Zwangs­umsiedlung aus Wien berichtet aus dem Einwohnermeldeamt Alice de Buton im Juni 1942: „Man sitzt wie in einem Bienenschwarm: polnisch, jiddisch, hebräisch – nur nicht deutsch. Man ist völlig isoliert, hat keine Ahnung von dem, was gesprochen wird und möchte doch so gerne daran teilnehmen“ (Band 5, S. 21).

Eine Fassung der „Chronik des Ghettos Lodz/Litzmannstadt“ in polnischer Sprache soll bald folgen. Dann wird man auch die übersetzten Teile im Originalwortlaut nachlesen können. Erste Stichproben zeigen, dass die Übertragung immer wieder ungelenk und stellenweise ungenau ist. Beide Editionen werden – so viel lässt sich bereits voraussagen – als unerlässliches Quel­lenmaterial für die weitere Erforschung des nationalsozialistischen Judenmords dienen und Aspekte des Alltagslebens im Getto-Arbeits­lager stärker in den Vordergrund rücken. Die Nutzbarkeit der Edition wird durch das Fehlen eines Sachregisters beeinträchtigt; auch ein Verzeichnis der in den Tageschroniken verwendeten Abkürzungen sucht man vergebens.

Klaus-Peter Friedrich, Marburg/Lahn




Stefanie Peter (Hg.)
Alphabet der polnischen Wunder. Ein Wörterbuch
Illustriert von Maciej Sienczyk. Eine Publikation in Zusammenarbeit mit Büro Kopernikus - ein Initiativprojekt der Kulturstiftung des Bundes. Frankfurt 2007 (ISBN 978-3-518-41933-5)

Wissen Sie, warum die Straßenbahnen in Krakau Helmuty heißen? Warum die Pampers Schlüsselpositionen in den öffentlich-rechtlichen Medien bekleiden und Dresiarzy, Trainingsanzugträger, als Protagonisten der polnischen New Economy gelten? Wissen Sie noch, was das Wunder an der Weichsel war? Was sich in Katýn und Jedwabne abspielte? Was es mit den Kresy, dem Handkuß und der Westerplatte auf sich hat? Warum der polnische Jazz so intellektuell, der Berlin-Warszawa-Express so beliebt und der Club der polnischen Versager so erfolgreich ist?
Von Kunst, Literatur und Musik über Architektur, Ökonomie bis zur Naturgeschichte versammelt das Glossar politisches, alltagsethnologisches und popkulturelles Wissen von Polen. Brocken einer Sprache, die sich im Prozeß der Verwestlichung erst bildete, finden sich zwischen Topoi der polnischen Geschichte, die bis heute prägend sind: Adler und Kseroboj, Klempner und Lumpex, Disco Polo und Vertriebene, Lustracja und Preußen. Das »Alphabet der polnischen Wunder«, von A wieAdel bis Z wie Zwillinge), versteht sich als Beitrag zu einer Inventarisierung des europäischen Unbewußten.
Die 130 Mini-Essays deutscher und polnischer Autoren, von drei Zeilen bis drei Seiten Länge, wirken mit Witz und Kurzweiligkeit unserem Unwissen entgegen. Ordnung in das Sammelsurium aus Patriotischem und Idiotischem, Archaischem und Utopischem, Alltäglichem und Entlegenem bringt Maciej Sienczyk, der ein vielseitiges junges Ausnahmetalent unter den polnischen Künstlern und einer der bekanntesten Comiczeichner Polens.

Der Suhrkamp Verlag hat ein erfreuliches und solide gearbeitetes Buch veröffentlicht: ein alles andere als nüchternes Lexikon der polnischen Landeskunde. Es ist ein Sammelband mit kurzen Essays und Kolumnen, Artikeln und Anekdoten, deren knapp zwei Dutzend polnische und deutsche Autoren fast 130 Lemmata aus praktisch allen Bereichen erklären, kommentieren und bewerten. Man lernt und stöbert in polnischer Alltags- und Hochkultur, spezifisch polnischen Eigenheiten, liest von großen polnischen Namen, Künstlern wie Nationalhelden, Symbolen und Orten, Flora und Fauna, Galerien, Literaten und polnischer Kulturgeschichte nicht nur zu Zeiten des Sozialismus. Nicht zuletzt von Sprachgebräuchen und bekanntlich bewegter polnischer Geschichte. Das Buch bietet selbst für manchen Polen einiges bisher Unbekannte. Und für alle anderen ist es, über das gebotene Allgemein- und Fachwissen hinaus, ein ganz und gar nicht oberflächlicher Einblick in die polnische Mentalität und Weltanschauung. Letzteres ist in Deutschland ein ebenso blinder Fleck wie schon die große polnische Literaturtradition, der polnische Jazz oder der polnische Film mit international bekannten Regisseuren wie Roman Polanski, Andrzej Wajda oder Krzysztof Kieslowski.

In den Zeiten des Kalten Krieges und des Ostblocks war für die Polen die Bundesrepublik so das nächste Land im Westen, und die Polen für Deutsche das nächste im Osten - diese Perspektive ist bis heute noch nicht verschwunden. Das „Alphabet der polnischen Wunder“ könnte zum Verschwinden beitragen.




Glowiñski, Michal
Eine Madeleine aus Schwarzbrot. Frankfurt 2003
Michal Glowiñski, Professor am Institut für Literaturforschung der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Warschau, ist einer der führenden Literaturwissenschaftler Polens.
G³owiñski schreibt Feuilletons über seine Erinnerung an die beiden Terrorsysteme, Nationalsozialismus und Stalinismus, die seine Heimat im letzten Jahrhundert verwüstet haben . Der Autor gliedert seine Reise durch die Erinnerung in zwei Abschnitte. In Echos vergangener Jahre steht die Welt der Volkrepublik Polen nach 1945 im Mittelpunkt der Erzählungen. Mit oft hintergründiger Ironie beschreibt der Autor die Atmosphäre voll staatlicher Repression, Stalinismus und auch Antisemitismus.
"Echos vergangener Jahre" heißt die erste Abteilung seines Buchs, dessen polnische Ausgabe umfangreicher ist als die von Martin Pollack hervorragend übersetzte deutsche Auswahl. Seine Mathematiklehrerin wird da porträtiert, ein Vertrauensmann der studentischen Selbstverwaltung, der in Wirklichkeit wohl für die Staatssicherheit arbeitete, ein Judenhasser, der dem Erzähler in einem Warschauer Friseursalon der neunziger Jahre begegnet, ein für das Schöne (und die Schönen) begeisterter Spitzel, ein Professor für Marxismus, Zugbekanntschaften, kommunistische Agitatoren der fünfziger Jahre, die Karnevalsstimmung, die in einem bestimmten Abschnitt des Trauerzugs für den großen Stalin durch das zerstörte Warschau ausbrach. Glowinskis Erinnerung an die Deportation seiner Familien ins Warschauer Getto ist in der zweiten Abteilung unter dem Titel "Reisemischungen" untergebracht.
Ein Buch , das die Erinnerungen vieler verfolgter Menschen unserer östlichen Nachbarstaaten wachhält und so für den Leser unserer Tage eine zeitgeschichtliche Welt lebendig und nachvollziehbar werden lässt.



Christoph Schutte
Die Königliche Akademie in Posen (1903-1919) und andere kulturelle Einrichtungen im Rahmen der "Politik zur Hebung des Deutschtums". Marburg, 2008,
(= Materialien und Studien zur Ostmitteleuropa-Forschung; 19). Marburg 2008. ISBN 978-3-87969-343-6. VIII, 432 S., Abb.,kt. Zu beziehen über den Buchhandel oder direkt beim Verlag Herder-Institut, Gisonenweg 5-7, 35037 Marburg, Tel. 06421-184108
Die von Professor Klaus Zernack an der Freien Universität Berlin betreute Dissertation befasst sich mit einer von der Historiographie bisher vernachlässigten Bildungseinrichtung Posens im Kaiserreich. Von 1903 bis 1919 wurde an der Königlichen Akademie unter der Regie des preußischen Kultusministeriums wissenschaftliche Volksbildung betrieben. Ihre Tätigkeit wurde von neuartigen Bildungskonzepten, aber auch den Zwängen einer polenfeindlichen Nationalitätenpolitik beeinflusst. Über personelle, ideelle und baugeschichtliche Zusammenhänge, die hier erstmals detailliert untersucht werden, war die Akademie mit der Kaiser-Wilhelm-Bibliothek, dem Kaiser-Friedrich-Museum, dem Hygienischen Institut und der Deutschen Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft verbunden und so ein wichtiger Bestandteil der Politik zur "Hebung des Deutschtums" in der Provinz Posen. Verglichen mit den Volksbildungseinrichtungen anderer deutscher Großstädte schränkte die Akademie durch den Verzicht auf die Arbeiterschaft sowie polnische Hörer/innen ihr Publikum viel zu stark ein, um langfristig erfolgreich zu sein. Dennoch haben namhafte Gelehrte wie Richard Hamann ,Otto Hoetzsch, Eugen Kühnemann und Leopold von Wiese in Posen den Grundstein für ihre weitere Karriere gelegt.
Das Werk enthält im Anhang eine polnischsprachige Zusammenfassung, Biogramme aller Dozenten, umfangreiche Statistiken zur Hörerschaft, ein Personenregister sowie Stadtpläne.



Boysen, Jens
Preußische Armee und polnische Minderheit. Royalistische Streitkräfte im Kontext der Nationalitätenfrage des 19.Jahrhunderts ( 1815-1914) Marburg 2007
Die Armeen der modernen Nationalstaaten gelten als zentrale Träger des Nationalbewusstseins und durch die allgemeine Wehrpflicht als "Schule der Nation". Gerade in Preußen geriet die Armee nach 1815 in die noch über ein Jahrhundert währende Spannung zwischen einer Bestimmung als Parlamentsheer bzw. Königsheer. War damit das Verhältnis zur Zivilbevölkerung schon generell kompliziert und ideologisch aufgeladen, so trat als weitere Herausforderung das wachsende (ethno-)nationale Bewusstsein sowohl der Deutschen als auch der staatenlosen Völker hinzu. Im preußischen Fall bildeten die Polen, vor allem in den Provinzen Posen und Westpreußen, die zahlenmäßig und - als lebendes Erbe aus den polnischen Teilungen - auch in ihrer politischen Qualität bedeutendste Minderheit. Während besonders nach der Reichsgründung die preußische Innenpolitik immer mehr unter den Einfluss der vom akademischen Bürgertum ausgehenden ethnischen Nationalidee geriet und eine assimilative "Polenpolitik" verfolgte, orientierte sich das im Rahmen des royalistischen Staates hochgradig autonome Offizierskorps bis 1914 vor allem an seinen eigenen ideellen und funktionalen Zielen: der Bewahrung seiner eigenen Homogenität und der Verteidigung einer konservativen Staatsidee, dem reibungslosen Funktionieren der Soldaten sowie dem Primat militärischer über zivile Belange. In diesem Kontext fand eine akademische Diskussion über das Wesen der Nation keinen Platz. Die nach der Vernichtung des Potsdamer Heeresarchivs 1945 noch vorhandenen Militärakten und andere Dokumente geben keinen Hinweis auf eine spezifisch gegen die Minderheiten gerichtete Politik in der Armee; die durchgeführten Integrationsmaßnahmen waren funktional motiviert und trugen kaum zu einer schon theoretisch schwer definierbaren "Germanisierung" der Polen bei.




Stefan Dyroff
Erinnerungskultur im deutsch-polnischen Kontaktbereich Bromberg und der Nordosten der Provinz Posen (Wojewodschaft Poznan) 1871-1939 EINZELVERÖFFENTLICHUNGEN DES DHI WARSCHAU 19
ISBN 978-3-938400-20-3 (Fibre-Verlag ) 2007
Der Nordosten der preußischen Provinz Posen erlebte in den Jahren zwischen 1871 und 1939 in vielfacher Hinsicht einen Wandel. Das Gebiet um die Städte Bromberg (poln. Bydgoszcz) und Inowrazlaw (ab 1904 Hohensalza, poln. Inowroclaw) erhielt im Zeitalter von Industrialisierung und Modernisierung ein neues Antlitz. Gleichzeitig wandelte sich die nationale Struktur der Bevölkerung. Der staatliche Übergang des Gebiets von Deutschland an Polen 1918/1920 machte aus den bis dahin dominierenden Deutschen eine nationale Minderheit, während die Polen zur Staatsnation wurden.
Vor diesem Hintergrund untersucht und beschreibt der Band, wie im Zuge der nationalen Bewusstseinswerdung am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts in einer Region im kulturellen Kontaktbereich von Deutschen und Polen die Erinnerung an vergangene und gegenwärtige Ereignisse konstruiert, gepflegt und wahrgenommen wurde.
Die beziehungsgeschichtliche Studie wirft einen vergleichenden Blick auf die nationalen Erinnerungskulturen sowie ihre spezifische regionale Ausprägung anhand einer von Deutschen und Polen im Untersuchungszeitraum gemeinsam bewohnten Region. Sie zeigt dabei beispielhaft die Entwicklung des deutschen und polnischen "lokalen" und "globalen" Nationalismus im Zeitraum zwischen der deutschen Reichsgründung 1871 und dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im September 1939. Gegenstand der kulturwissenschaftlichen Analysen sind unter anderem Institutionen der Wissensvermittlung, (historische) Schriften, das materielle und symbolische Kulturerbe sowie die Traditionspflege.

STEFAN DYROFF, geb. 1976, Dr. phil., Kulturwissenschaftler, ist wissenschaftlicher Assistent am Historischen Institut der Universität Bern. Das vorliegende Buch geht auf seine 2006 an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder vorgelegte Dissertation zurück.

Inhalt:

I. Einleitung

1. Hinführung zum Thema
2. Theoretische Grundlage und Begriffsklärung
2.1. Erinnerungskultur
2.2. Tradition
2.3. Geschichtskultur
3. Politische Geschichte und Nationalitätenverhältnisse im
Untersuchungsgebiet

II. Wissenschaft und Erinnerungskultur der gesellschaftlichen Eliten

1. Die Historische Gesellschaft für den Netzedistrikt zu Bromberg und ihr
Umfeld
1.1. Gründung 1880 und Aufbau der Vereinsarbeit in der Stadt
1.2. Versuch der Expansion im Netzedistrikt
1.3. Die Beziehungen zur Posener Historischen Gesellschaft für die Provinz Posen
1.4. Kontakte zur polnischen Umgebung
1.5. Der "heimische Blick": Der führende Lokalhistoriker Erich Schmidt und sein Schüler Franz Lüdtke
1.6. Der "fremde Blick": Die Gruppe der zugereisten Lokalhistoriker
1.7. Der "konfessionelle Blick"
1.8. Die Historische Gesellschaft in der Zweiten Polnischen Republik
1.9. Fazit
2. Polnische historische Vereine und Initiativen
3. Archäologie
4. Museen und Sammlungen

III. Textuelle Erinnerungskultur für breite Schichten der Gesellschaft

1. Zensur
1.1. Preußische Zeit
1.2. Polnische Zeit
1.3. Fazit
2. Literatur als Medium des regionalen Gedächtnisses
2.1. Deutsche Autoren
2.2. Polnische Autoren
2.3. Fazit
3. Populärwissenschaftliche Heimatkunde
3.1. Deutsche Heimatkunde
3.2. Polnische Heimatkunde
3.3. Fazit
4. Historische und patriotische Inhalte in der Schule
4.1. Die preußische Zeit
4.2. Die polnische Zeit
4.3. Fazit
5. Historische Bildung nach der Schule
5.1. Vortragsabende in Vereinen und Volksunterhaltungsabende
5.2. Ostmärkische Traditionsvereine im Deutschland der Zwischenkriegszeit
5.3. Theater
5.4. Fazit

IV. Kodierung des öffentlichen Raums

1. Umgang mit Baudenkmälern
1.1. Inowrazlaw
1.2. Bromberg
1.3. Koscielec, Strelno und Kruschwitz
1.4. Bildliche Darstellungen von Baudenkmälern
1.5. Fazit
2. Historisierende Bauformen
2.1. Öffentliche Bauten
2.1.1. Inowrazlaw
2.1.2. Bromberg
2.2. Sakralarchitektur
2.2.1. Katholische Sakralarchitektur
2.2.2. Evangelische Sakralarchitektur
2.3. Fazit
3. Flur-, Städte- und Straßennamen
3.1. Prägung durch neue Flur- und Städtenamen: Umkodierung durch Umbenennung
3.1.1. Diskussion um den Stadtnamen in Inowrazlaw
3.1.2. Diskussion um den Ursprung des Stadtnamens in Bromberg
3.2. Prägung durch Straßennamen
3.2.1. Inowrazlaw
3.2.2. Bromberg
3.3. Fazit
4. Künstlerische Darstellungen: Denkmäler, Gedenktafeln und Bilder
4.1. Deutsche Denkmäler und Gedenktafeln
4.2. Die Stellung der Polen zu den deutschen Denkmälern
4.3. Polnische Denkmäler und Gedenktafeln
4.4. Bildliche Darstellungen
4.5. Fazit

V. Jubiläen, Feste und Traditionspflege

1. Ereignisse
1.1. Sedan
1.2. Tannenberg/ Grunwald
1.3. Sobieski bei Wien
1.4. Napoleonische Kriege: (Befreiungs-)Kämpfe der Polen und Deutschen zwischen 1793 und 1815
1.5. November- und Januaraufstand, Großpolnischer Aufstand sowie Erster Weltkrieg
1.6. Verfassungsfeiertag (3. Mai)
2. Personen
2.1. Hohenzollern
2.2. Bismarck
2.3. Marschall Józef Pilsudski
2.4. Luther
2.5. Literaten
3. Lokale Traditionen
3.1. Stadtjubiläen
3.2. Bromberger Kanal
3.3. Kruschwitz als legendärer Ursprungsort der Piastendynastie
3.4. Fazit

VI. Erinnerungskultur im deutsch-polnischen Kontaktbereich - ein Fazit

Abbildungsverzeichnis, Deutsch-polnisches Ortsnamenverzeichnis,
Abkürzungsverzeichnis, Quellen- und Literaturverzeichnis,
Streszczenie, Personenregister, Ortsnamenregister

Weitere Infos:
http://www.fibre-verlag.de/dhi-19.htm

Erhältlich über den Buchhandel oder direkt:
http://www.fibre-verlag.de/bestellen-01.htm

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fibre Verlag Inh. Dr. Peter Fischer
Martinistrasse 37
D-49080 Osnabrueck
Telefon +49/541/431838
Telefax +49/541/432786
E-Mail: info@fibre-verlag.de




Markus Krzoska/Isabel Röskau-Rydel (Hg.)
Identitäten und Alteritäten der Deutschen in Polen in historisch-komparatistischer Perspektive. München 2007 (Polono-Germanica 2)

Dieser Band befasst sich mit der Frage nach dem Eigenen und dem Fremden sowie den theoretischen Grundlagen der Begrifflichkeit der Identität und ihrer Anwendung auf das Arbeitsgebiet der Kommission für die Geschichte der Deutschen in Polen.
Die Fallstudien, die auf einer Tagung in Görlitz im Jahre 2006 präsentiert wurden, widmen sich u.a.
- den Böhmischen Brüdern in Polen
- der evangelischen Gemeinde im Krakau des 19. Jahrhunderts
- der deutschen Literatur über die Provinz Posen
- den deutschen Kolonisten in Kongresspolen
- und der NS-Presse im Generalgouvernement

Dieses Buch ist zum Preis von 19,90 Euro bei dem Verlag Martin Meidenbauer, Erhardtstrasse 8, 80469 München ( www.m-verlag.net ) erhältlich.

siehe auch :

www.m-verlag.net/isbn_9783899751079.ahtml




Martin Sprungala
" Historisches Ortsverzeichnis der Provinz Posen"

Das "Historische Ortsverzeichnis der Provinz Posen und der Wojewodschaft Poznan (Posen) " umfaßt alle Orte der Provinz Posen, die Städte, Dörfer, Gutsbezirke und Wohnplätze. Basis war das Gemeinde-verzeichnis der Volkszählung von 1910 bzw. 1905.
Angegeben sind: Art des Ortes, deutscher Name von 1910, Kreiszugehörigkeit, der heutige polnische Name, frühere Namen, darunter auch die NS-Namen aus der Zeit von 1939 ff. Manche Orte haben so mehr als 5 Namen, so daß das 232 Seiten starke Werk (DIN A4) mehr als 16.000 Ortsnamen aufweist.
Zudem angegeben ist die Einwohnerzahl, bei Städten aufgegliedert nach Deutschen, Polen und Juden, zudem wann sie das Stadtrecht erhielten. Bei vielen Orten ist ergänzt, wann sie urkundlich das erste Mal erwähnt wurden, als Hauländereien neu gegründet oder als Ansiedlung der Ansiedlungskommission neu angelegt wurden.
Die Einleitung wurde dreisprachig angelegt: die englische Übersetzung stammt von Leonhard v. Kalckreuth, die polnische von dem wissenschaftlichen Bibliothekar in Herne, Bernhard Kwoka.
Zur Veranschaulichung sind sechs Karten beigefügt, die die administrative Ordnung des Posener Lands in der Zeit vor 1793, in Südpreußischer Zeit, als Provinz Posen bis 1887 und ab 1887, als Teil des Warthegaus und die Wojewodschaft Wielkopolska seit 1999 aufzeigt.
Das Buch ist im Selbstverlag erschienen und kostet 22 Euro (+ Porto). Bestellt werden kann es unter: Martin-Opitz-Bibliothek, Berliner Platz 5, D-44623 Herne, Fax: 023236-162609, E-Mail: information.mob@herne.de




Krzoska, Markus; Röskau-Rydel, Isabel (Hrsg.):
Stadtleben und Nationalität. Ausgewählte Beiträge zur Stadtgeschichtsforschung in Ostmitteleuropa im 19. und 20. Jahrhundert (= Polono-Germanica 1). München: Martin Meidenbauer Verlag 2006. ISBN 3-89975-081-0; 185 Seiten
Die meisten der neun Beiträge des vorzustellenden Sammelbandes sind aus der Jahrestagung der Kommission der Geschichte der Deutschen in Polen vom September 2005 in Slubice hervorgegangen. Der Titel des Bandes ist insofern geographisch zu umfassend gewählt, als alle Texte innerhalb des Arbeitsbereichs der Kommission bleiben, sich also mit Städten befassen, die auf polnischem Staatsgebiet lagen oder liegen: Posen/ Poznan, Danzig/ Gdansk, die galizischen Städte des österreichischen
Teilungsgebiets, darunter besonders Lemberg/ Lwów, dem heute ukrainischen L'viv, den Städten in Kongresspolen sowie Zabrze (Hindenburg) in Oberschlesien.

Auch Markus Krzoskas Einführung in die Stadtgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts "vor dem Hintergrund Ostmitteleuropas" verweist dort, wo es um die stadthistorische Empirie gilt, fast ausschließlich auf polnische Fallbeispiele. Allerdings kann dem Autor daraus kaum ein Vorwurf gemacht werden, denn ein umfassender Forschungs- oder Literaturbericht, der sich der anspruchsvollen Aufgabe unterzöge, die Urbanisierungs- und Stadtgeschichte der historischen Region Ostmitteleuropa insgesamt in den Blick zu nehmen, ist meines Wissens bisher noch nicht geschrieben worden - von einer synthetischen Darstellung ganz zu schweigen. So liegt Krzoskas Anliegen eher darin, auf einige zentrale Probleme der ostmitteleuropäischen Stadtgeschichte hinzuweisen, und die von ihm zitierten polnischen Beispiele sind in wichtigen Punkten durchaus verallgemeinerbar. Obwohl in den vergangenen Jahren eine Reihe großer Monographien insbesondere zu den nationalen und regionalen Metropolen erschienen sind, konstatiert Krzoska völlig zu recht einen Mangel an modernen stadtgeschichtlichen Synthesen, der bei den Klein- und Mittelstädten der ostmitteleuropäischen Stadtlandschaften noch gravierender ist. Denn generell überwiegt in der ostmitteleuropäischen Stadtgeschichtsschreibung bislang ein methodisch nicht reflektierter Positivismus, der Stadtgeschichte als Aufzählung ereignisgeschichtlicher Fakten versteht und die lediglich durch den Schauplatz miteinander verbundenen Felder von Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur nebeneinanderstellt. Demgegenüber sind aktuelle sozial- und kulturgeschichtliche Ansätze, wie sie in der westlichen Stadt- und Urbanisierungsforschung längst selbstverständlich sind, in Ostmitteleuropa noch verhältnismäßig wenig rezipiert worden. Dies gilt ungeachtet der beträchtlichen Leistungen gerade der polnischen Historiographie in der sozialgeschichtlichen Bürgertums- und der Arbeiterforschung.
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Ein dominantes und erst allmählich schwindendes Problem ist die nationalgeschichtliche Perspektivierung von Stadtgeschichte: Während die Multiethnizität eines der typischen Merkmale bei der Mehrheit der ostmitteleuropäischen Städte war, wurde und wird deren Geschichte dennoch meist als Lokalgeschichte der jeweils eigenen Nation geschrieben. Notgedrungen führt dies zu einem hohen Grad an Fiktionalisierung von Stadtgeschichte, zur Ausblendung solcher Epochen, in denen die eigene Nation keine oder keine führende Rolle in der Geschichte der betrachteten Stadt spielte, beziehungsweise zu einer manchmal grotesken Überbetonung der jeweiligen Minderheitengeschichte.
Insofern ist auch die Stadtgeschichte bis heute kein politisch neutrales und ideologiefreies Geschäft, vielmehr hat sie oft Zwecken historischer Legitimation zu dienen. Wie Krzoska betont, trifft das im deutsch-polnischen Fall gerade auch für die deutsche Seite zu, wenn man an die frühere Ostforschung mit ihrer Fixierung auf den vermeintlich "deutschen Charakter" der Städte des östlichen Mitteleuropa denkt.
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Die übrigen acht Beiträge des Bandes liefern Einblicke in noch laufende oder unlängst abgeschlossene stadthistorische Forschungsprojekte. Stefan Dyroff befasst sich in seinem Forschungsbericht mit Kultur und Gesellschaft der Deutschen in der Provinz Posen. Dabei ist sein Hinweis wichtig, dass zur Erforschung der Minderheitenkultur nicht nur die Kultur der polnischen Mehrheit und ihre Wechselwirkungen mit der deutschen zu berücksichtigen sind, sondern sich überhaupt die grundsätzliche Frage stellt, ob in jedem Falle eine klare ethnokulturelle Trennung in "polnische" und "deutsche" Kultur
vorgenommen werden kann. Die Quellen jedenfalls, so Dyroff,
widersprechen dem in der polnischen Forschung teilweise bis heute gepflegten Mythos, dass einerseits das deutsche Vereinswesen ausschließlich ein Instrument der von der Berliner Zentrale aus gesteuerten Germanisierungspolitik gewesen sei, andererseits eine nationalbewusste polnische Bevölkerung die von deutschen Institutionen gemachten kulturellen Angebote aus Prinzip stets boykottiert habe.
Während in der polnischen Literatur meist die wechselseitigen Akkulturationsprozesse ungenügend berücksichtigt werden, fehlt auf der deutschen Seite überhaupt jede wissenschaftliche Forschung zum Thema, wobei die deutschen Heimatbücher eine germanozentrische Perspektive pflegen. Als weitere Forschungsdesiderate benennt Dyroff die Frauenvereine sowie das jüdische Vereinswesen, das abgesehen von den Sportvereinen bisher völlig vernachlässigt worden ist.
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Auch Peter Oliver Loews Text zur Danziger Stadtgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts ist ein Literaturbericht, der von dem erstaunlichen Befund ausgeht, dass für diesen Zeitraum keine zufriedenstellende Geschichte der bedeutenden Hafenstadt existiert. Dies ist zum einen auf die eklatanten Archivverluste Danzigs am Ende des Zweiten Weltkriegs zurückzuführen, zum anderen aber auch auf gegenwärtige politische Legitimationsversuche, welche für die Entwicklung der Stadt unter neoliberalen Vorzeichen an ein idealisiertes Bild eines liberalen, bürgerschaftlichen Danzigs der Zeit vor 1939 anknüpfen möchten. Loew plädiert insbesondere für die arbeitsintensive Auswertung der Danziger
Presse, mit deren Hilfe einige der Quellenverluste kompensiert werden könnten.
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Isabel Röskau-Rydel gibt einen Überblick über die Entwicklung der deutsch-österreichischen Beamtenfamilien in Galizien von der Ersten Teilung Polens 1772 bis zum Untergang der Habsburgermonarchie 1918. Bis 1848 waren praktisch alle leitenden Verwaltungspositionen des Kronlandes mit Deutschen besetzt, erst danach kam es zu einer allmählichen Heranbildung und Zulassung polnischer und in geringerem Umfang ruthenischer (ukrainischer) Beamter. Röskau-Rydels These, dass die nach Galizien zugewanderten deutschen Handwerker und Gewerbetreibenden im Vergleich zu den an Zahl viel geringeren Beamten kaum Einfluss auf die Entstehung eines deutschsprachigen Kulturlebens gewonnen hätten, macht stutzig und lässt sich wohl nur bei einem restriktiven, auf die Hochkultur eingegrenzten Kulturbegriff aufrechterhalten, den der Beitrag impliziert. Anders als von den Zeitgenossen erwartet, schlossen sich schon zur Zeit des Aufstandes von 1830/31 viele Sprösslinge der deutschen Beamtenfamilien der polnischen Nationalbewegung an. Jedoch, so die überzeugende These der Autorin, lässt sich in der Option für oder gegen die polnische Sache kein soziales Muster erkennen, denn die nationale Akkulturation und die oft damit verbundene politische Wahl
blieben stets eine Frage der individuellen Entscheidung. Diese konnte auch innerhalb einer Familie durchaus unterschiedlich ausfallen.
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Im habsburgischen Kronland Galizien sind auch die Beiträge von Heidi Hein-Kircher und Harald Binder angesiedelt, die sich beide der Hauptstadt Lemberg zuwenden. Hein-Kircher gibt einen Überblick über die Entwicklung der Lemberger Selbstverwaltung von 1848 bis 1870, als die Stadt nach langer Verzögerung endlich ein eigenes Statut erhielt und damit in die Gruppe der sogenannten "Statuarstädte" der Habsburgermonarchie aufstieg, die direkt der Wiener Zentrale unterstellt waren und eine von der Gemeindeordnung ihres jeweiligen Kronlandes abweichende Verwaltung aufwiesen. Die in Lemberg besonders langwierige Erarbeitung des Stadtstatuts (1859-1870) war, so Hein-Kircher, nicht zuletzt auf den Streit um die Lösung der "jüdischen Frage" zurückzuführen; denn die polnischen Stadteliten, die seit den 1860er-Jahren den größten Einfluss ausübten, wollten einerseits Vorkehrungen treffen, um die ethnokonfessionellen und sozioökonomischen Machtstrukturen innerhalb der Stadt unverändert zu lassen, waren andererseits aber zu gewissen Konzessionen an die jüdische Bevölkerung bereit, um diese davon abzuhalten, sich deutsch zu akkulturieren. Das Statut von 1870 mit seinem harten Wahlzensus war politisch konservativ geprägt, schuf aber gleichzeitig die Voraussetzungen für die Modernisierung von Verwaltung und Städtetechnik in den folgenden Jahrzehnten.
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In seinem Essay über die "Polonisierung Lembergs" spricht sich Harald Binder für die Untersuchung des "mind mapping" auf der städtischen Ebene aus. Die Behauptung, Lemberg sei in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine germanisierte Stadt gewesen und habe sich erst in der zweiten Jahrhunderthälfte, nach Erlangung der galizischen Autonomie, zu einer polnischen Stadt entwickelt, stützt sich zwar auf die tatsächliche kulturpolitische Dominanz der Polen seit dieser Zeit, blendet jedoch andersnationale Sichtweisen der Minderheiten - der deutschen, jüdischenund nicht zuletzt ruthenischen - völlig aus. Überhaupt, so Binder, sei der Begriff der "galizischen Autonomie", an den der Vorgang der Polonisierung Lembergs im Mythos der polnischen Geschichte gebunden wird, zumindest irreführend, da es sich in Wirklichkeit um einen den Gesamtstaat betreffenden Konstitutionalisierungsprozess gehandelt habe. Dieser sei von den polnischen Lemberger Eliten dazu missbraucht worden, ihr Bild einer nationalpolnischen Metropole gegen die Interessen der Minderheitenbevölkerungen durchzusetzen. Umgekehrt verliefen die Veränderungsprozesse dieser Zeit aber auch in Richtung einer "inneren Urbanisierung", will sagen zu einer Verdichtung der Stadt als sinnlichen Erfahrungsraum, innerhalb dessen wiederum die einzelnen nationalkulturellen Gruppen sich über ihre Symbole und Aktivitäten besser zu Geltung bringen konnten.
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Der Beitrag von Elzbieta Everding handelt vom Lemberg der Zwischenkriegszeit (1918-1939). Nach den hochkulturellen Sparten von Musik, Theater, Literatur und bildenden Künsten sortiert, trägt die Autorin Fakten zu den einzelnen nationalen Minderheiten (den Juden,Ukrainern, Deutschen und Armeniern), ihren kulturellen Aktivitäten und Assoziationen zusammen. Ein Manko dieses Textes ist, dass er sich ausschließlich auf polnischsprachige Literatur und einige wenige deutschsprachige Veröffentlichungen stützt. Ebenfalls kompilativ ist der Text von Hanna Krajewska über die Evangelischen in den Städten des
Königreichs Polen. Krajewska widerspricht dem bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstandenen Stereotyp des "evangelischen Deutschen". Denn die Evangelischen, überwiegend Angehörige der evangelisch-augsburgischen Konfession, waren beispielsweise in Warschau annähernd zur Hälfte Polen; der Prozentsatz der Deutschen bei den Reformierten war allerdings deutlich höher. Der tendenziell wachsende polnische Anteil der Evangelischen erklärt sich zum Teil durch die polnische Akkulturation von Deutschen; denn der Wechsel von der deutschen zur polnischen Nationalität war in der Regel nicht an einen Konfessionswechsel gekoppelt. Wenn überhaupt, gab es Wechsel häufiger
von dem einem zu einem anderen evangelischen Bekenntnis.
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Bernard Linek behandelt die Entwicklung der oberschlesischen Bergbau- und Hüttenstadt Zabrze zur Zeit des Zweiten Kaiserreichs. Da Zabrze (Hindenburg) erst 1922 Stadtrechte erhielt, bestand es zuvor aus einer Agglomeration von verschiedenen Landgemeinden und Gutsbezirken, die zu Anfang des 20. Jahrhunderts bereits 55.000 Einwohner zählten. Allein durch seine Größe wuchsen Zabrze dennoch mehr und mehr städtische Funktionen zu, die nicht zuletzt in der Aktivität seiner Vereine und in seinen großen Festen zum Ausdruck kamen. Am Beispiel des seit 1874 jährlich am 2. September begangenen Sedantages zeigt Linek die Nationalisierung der lokalen Kultur. Während in den ersten zwanzig Jahren der Sedantag Identifikationsangebote an alle Teilnehmer des Krieges von 1870/71 unabhängig von ihrer Nationalität machte, sofern sie sich mit Kaiser und Reich verbunden fühlten, wurde das Ereignis seit den 1890er Jahren und mit dem Schwinden der Erlebnisgeneration immer stärker als Fest der deutschen Nation begangen. Kompensatorisch versuchten die Polen, die katholischen Kirchenfeste zu nationalpolnischen Feiertagen umzugestalten; als dies nur beschränkten Erfolg hatte, etablierten sie
die jährlichen Pfingstwallfahrten nach Krakau.
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Abgesehen von Einblicken in die Empirie einiger interessanter aktueller Forschungsprojekte bietet der Sammelband Aufschluss über Chancen, aber auch Schwächen der gegenwärtigen Stadtgeschichte in und über Ostmitteleuropa. Wenn nicht explizit eine bestimmte Stadt zum Gegenstand der Betrachtung gemacht wird, ist bei verschiedenen sozial- und kulturhistorischen Ansätzen nicht immer einsehbar, ob die städtische, anders als die regionale, Betrachtungsebene jeweils die bestgeeignete ist. Beispielsweise ist Konfessionalität an und für sich noch kein spezifisch städtisches Kriterium, ebenso wenig wie eine bestimmte ethnokulturelle Gruppe oder eine Nationalkultur. Wenn die Vorstellung des verdichteten Begegnungsraums die Relevanz von Stadtgeschichte begründen soll, ist es gerade nicht sinnvoll, eine bestimmte Gruppe aus ihrem sozialen Kontext zu lösen und die Stadt lediglich als ein pragmatisches Definiens zur Begrenzung des empirischen Materials zu benutzen. Im Vordergrund sollte stattdessen immer die - harmonische, distanzierte, intensive, konflikthafte oder wie auch immer beschaffene -
Begegnung des sozial und kulturell Disparaten stehen.

Andreas R. Hofmann <ahofmann@rz.uni-leipzig.de





Alberti,Michael
Die Verfolgung und Vernichtung der Juden im Reichsgau Wartheland 1939-1945 (Quellen und Studien des Deutschen Historischen Instituts Warschau 17
Mit diesem Buch schließt M.Alberti eine Forschungslücke in der Gesamtgeschichte des Holocaust.
Auf der Basis deutscher,polnischer und israelischer Archivbestände rekonstruiert er die Verfolgung und Vernichtung der jüdischen Minderheit im Warthegau und zeichnet die Entwicklung der national-sozialistischen "Judenpolitik" detailliert nach.
Dem von den Nationalsozialisten okkupierten Warthegau kommt in der Geschichte des Holocaust eine zentrale Bedeutung zu. Dort wurden ab 1940 erstmals flächendeckend Ghettos errichtet. Die National-
sozialisten errichteten darüberhinaus im Warthegau, nämlich in Chelmno (Kulmhof) ,das erste Vernichtungslager in der Geschichte der Menschheit sowie von 1941 bis 1943 eines der größten Netze an Zwangsarbeitslagern für Juden ím besetzten Osteuropa.



Matthias Kneip/ Manfred Mack
Polnische Geschichte und deutsch-polnische Beziehungen. Darstellungen und Materialien für den Geschichtsunterricht. Mit CD-ROM
unter Mitarbeit von Markus Krzoska und Peter Oliver Loew. Berlin: Cornelsen Verlag 2007, ISBN: 978-3-06-064215-1 Preis: 14,95 Euro
Nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 und den tief greifenden Veränderungsprozessen in Mittel- und Osteuropa entwickelten die deutsch-polnischen Beziehungen eine beeindruckende Dynamik. Der deutsch-polnische Vertrag über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit vom 17. Juni 1991 bildete den Auftakt zu intensiven und vielfältigen Kontakten. Häufige Treffen der Staatspräsidenten sowie der Regierungschefs als auch Minister der beiden Länder sind dabei nur ein möglicher Ausdruck dieser engen Partnerschaft. Im Laufe der Jahre wurde der intensive politische Dialog durch ein formelles Element ergänzt: deutsch-polnische Regierungsgespräche (Konsultationen), an denen Regierungschefs und Minister der wichtigsten Ressorts teilnehmen.
Mit dem Beitritt Polens zur Europäischen Union am 1. Mai 2004 begann eine neue Phase der bilateralen Beziehungen. Die gemeinsame Mitgliedschaft in der EU bildet eine neue Dimension für die deutsch-polnischen Beziehungen und somit eine zusätzliche Ebene für einen weiteren Ausbau und die Vertiefung der bilateralen Zusammenarbeit im politischen, wirtschaftlichen, aber auch kulturellen und gesellschaftlichen Bereich. Die Unterstützung Deutschlands für die polnische EU- sowie NATO-Mitgliedschaft ist nur einer von zahlreichen Belegen dafür, dass die deutschen und polnischen Interessen in vielen Bereichen übereinstimmen.

Doch bei aller bilateraler Harmonie kann es selbst dem desinteressiertesten Beobachter nicht entgehen, dass die Misstöne zwischen den beiden Staaten seit einiger Zeit überwiegen. Die Liste derer ist lang: die enge deutsch-russische Freundschaft, vor allem die neue Gas-Pipeline, die direkt von Russland nach Deutschland durch die Ostsee führen soll, verursacht bei den Polen Misstrauen. Für viele Polen wirkt diese neue, enge Partnerschaft zwischen Deutschland und Russland, wie ein historisches Déja-vu. Nicht ohne Grund machte deshalb die polnische Rechte um Lech Kaczynski eine mit antideutschen Ressentiments gespickte Politik Auch die militärische Unterstützung der USA durch Polen im Irak-Krieg (erstaunlicherweise durch eine postkommunistische Regierung), verursachte hier in vielen politischen und gesellschaftlichen Kreisen nur Kopfschütteln.
Doch das allergrößte Problem in den deutsch-polnischen Beziehungen ist schon seit Jahren die Debatte um das geplante Zentrum gegen Vertreibungen. Der Streit um den Standort für dieses Zentrum ist dabei fortgeschrittener als die Planungen zu realen Gründung dieser Forschungsstätte. Die Polen plädieren gegen Berlin als Standort, aus Sorge, auf deutschem Boden würde nur das Schicksal deutscher Flüchtlinge und Vertriebener im Vordergrund stehen; in Deutschland dagegen treten die Unionsparteien sowie der Bund der Vertriebenen für die Bundeshauptstadt als Heimat für das Zentrum ein.
Aktuell sind die Diskussionen über die Zukunft der EU und die spezifische Haltung der Polen in dieser Frage.
Damit aber nicht die "normative Kraft des Faktischen" die aktuelle Beurteilung des deutsch-polnischen Verhältnisses diktiert, ist die Kenntnis über die unterschiedlichsten Aspekte der bilateralen Nachbarschaft vonnöten
Dabei zeigt sich immer wieder, wie wichtig Hintergrundwissen ist- gerade auch in der jungen Generation. Hier setzt das Deutsche Polen-Institut mit der neuen Publikation "Polnische Geschichte und deutsch-polnische Beziehungen" an, die Unterrichtsmaterialien für Lehrer wie Schüler zur Verfügung stellt.
Die Autoren, Dr. Matthias Kneip und Manfred Mack, haben in diesem Unterrichtswerk 13 Themen zur polnischen Geschichte und zu den deutsch-polnischen Beziehungen bearbeitet, die sich unter Anlehnung an deutsche Geschichtslehrpläne zur Behandlung im Unterricht eignen und den Schülern wichtige Kenntnisse über Polen und das Verhältnis zu Polen vermitteln. Die Unterrichtseinheiten thematisieren unter anderem die deutsche Ostkolonisation, den Mythos des Deutschen Ordens, Aufstieg und Niedergang der Adelsrepublik (16.-18. Jh.), die deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg, Flucht und Vertreibung nach 1945, die polnische Freiheitsbewegung und die EU-Osterweiterung.
Die Veröffentlichung, die von der Robert Bosch Stiftung gefördert wurde und in dem Berliner Schulbuchverlag Cornelsen erschienen ist, soll einen Beitrag dazu leisten, insbesondere auch aktuelle Fragen im deutsch-polnischen Verhältnis vor dem Hintergrund einer gemeinsamen Geschichte besser verstehen zu können. Mit Hilfe von Lehrerfortbildungen und einer Ausstellung, die bundesweit kostenfrei an Schulen verliehen werden wird, soll das Unterrichtswerk in den nächsten Monaten in ganz Deutschland beworben werden.
Das Deutsche Polen-Institut engagiert sich schon seit vielen Jahren für die verstärkte Verbreitung von Kenntnissen über die Polen im Schulunterricht, um auf diese Weise vorhandene Vorurteile abzubauen, Neugier zu wecken und Lehrer wie Schüler zu Klassenfahrten nach Polen zu animieren.




Weigel, Robert ( Hrsg.) :
Soma Morgensterns verlorene Welt. Kritische Beiträge zu seinem Werk. Frankfurt a.M. u.a. 2002
Einer grösseren Öffentlichkeit ist das literarische Werk dieses 1890 in Galizien geborenen deutschsprachigen Schriftstellers unbekannt.

Galizien- das sind die zwischen 1795 und 1918 österreichisch verwalteten Gebiete des geteilten Polens, die nach 1945 größtenteils an die Sowjetunion fielen und heute zur Ukraine gehören.

Was diese Region Osteuropas seit der Mitte des 19. Jahrhunderts zu einer mythischen Landschaft der deutschen Literatur machte, war zunächst das für westliche Leser exotisch anmutende Landleben, bald aber vor allem das jüdische "Schtetl". In der Tat galten dem Ostjudentum und seiner Religiosität die schmerzlich -schönsten und glühendsten Erinnerungen- gerade zu der Zeit, als sich seine Vernichtung anbahnte.

Soma Morgensten ( 1890 -1976 ) hat mit seinem lange vergessenen Werk den jüdischen Kontext, das in seinem Werk ebenso Niederschlag gefunden hat wie die Erfahrung von Flucht und Exil, verewigt.
Sein ganzes literarisches Schaffen hatte er einer Idee gewidmet- dem Ostjudntum, einer in der Shoah untergegangenen Welt.
Umso erfreulicher ist die Herausgabe dieses Sammelbandes, den Schriftsteller Morgenstern und sein Werk nicht dem Vergessen preiszugeben, sondern durch diese Publikation auch einen Impuls zur (Wieder-)Entdeckung dieses Literaten zu geben.




Jahrbuch Polen 2007 des Deutschen Polen-Instituts
Das aktuelle Jahrbuch Polen 2007 beschäftigt sich mit dem Thema Stadt in Polen.

Polens Großstädte boomen, die (Post-)Moderne mit ihren architektonischen, sozialen und kulturellen Brüchen bahnt sich dynamisch, schockartig und nicht selten gewaltsam ihren Weg durch die
polnischen Metropolen von heute, allen voran Warschau, Breslau, Posen,Krakau und Lodz.

Autoren wie Bohdan Jalowiecki, Marek S. Szczepanski, Uwe Rada und BartekChacinski beziehen sich dabei auf aktuelle Diskussionen u.a. über dieöffentliche und private Architektur- und Raumgestaltung vor und nach derWende 1989/1990, die Narben des Sozrealismus, die Hauptstadt- und Metropolen-Funktion Warschaus, die polnische Architektur der letzten Jahrzehnte, die (Nacht-)Kultur der Großstadt, aber auch über den "Überlebenskampf in der Schrumpfung" vieler polnischer Kleinstädte. Auch geschichtliche Aspekte kommen zu Wort wie die Entwicklung der polnischen Urbanität und die aktuellen Diskurse über deutsche und jüdische Spuren in vielen polnischen Städten. Der Literaturteil des Jahrbuchs präsentiert Lyrik und Prosa zum Thema Stadt. Zu den Autoren gehören Marek Nowakowski, Janusz Szuber, Jozef Czechowicz, Marek Kochan, Adam Zagajewski und Michal Kaczynski.

Inhaltlich über das Schwerpunktthema hinaus reichen die im Kapitel "Tendenzen" vorgestellten Artikel zur aktuellen politischen und gesellschaftlichen Entwicklung in Polen von Marek Król und Anna Wolff Poweska. Den Abschluss bildet eine umfangreiche Chronik der politischen und kulturellen Ereignisse in Polen und der deutsch-polnischen Beziehungen.

Vorwort

Bohdan Jalowiecki: Warschau als polnische Metropole
Grzegorz Piatek: Ein schöpferisches Chaos. Die Architektur der
wiedergewonnenen Freiheit
Bartek Chacinski: Ich bin ein Kind der Stadt. Vom Warschauer Klüngel zur
Hauskultur
Uwe Rada: "Die Zukunft heißt Lodz"
Marek S. Szczepanski: Der Raum des realen Sozialismus und der reale
Sozialismus im Raum
Agnes Borsig: Strategien polnischer Kleinstädte
Henryk Samsonowicz: Städte in Polen. Ein historischer Überblick
Peter Oliver Loew: Von Gdanzig nach Breslaw. Die deutsche Vergangenheit
in der polnischen Gegenwart
Kazimierz Brakoniecki: Mein Olsztyn
Katarzyna Weintraub: Es war einmal ein Städtchen... oder Die Aneignung
der Erinnerung
Matthias Theodor Vogt: Görlitz-Zgorzelec - Stadt auf der Grenze

Mit Texten von Marek Nowakowski, Michal Kaczynski, Marek Kochan, Adam
Zagajewski, Janusz Szuber, Jozef Czechowicz, Tymon Terlecki und Czeslaw
Chruszczewski

Tendenzen

Marcin Krol: Polen 2006
Anna Wolff-Poweska: Geschichtspolitik. Die polnischen
Auseinandersetzungen um Geschichte und Gedächtnis

Anhang

Chronik zu Polen und den deutsch-polnischen Beziehungen 2006

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Jahrbuch Polen. Wiesbaden: Harrassowitz Verlag. ISBN 978-3-447-05531-4;
ISSN 3-447-09369-2

Deutsches Polen-Institut
Alexandraweg 28
D-64287 Darmstadt

++ 49- (0)6151-4985- 0
++ 49- (0)6151-4985-10




Schenk, Dieter
Hans Frank. Hitlers Kronjurist und Generalgouverneur. Frankfurt am Main 2006
Obwohl Hans Frank ( 1900 -1946) zu den Haupttätern des nationalsozialistischen Unrechtregimes gehört, sind bislang keine Biografien über ihn erschienen.
Dieter Schenk, ehemaliger Kriminaldirektor ím Bundeskriminalamt und seit 1998 Honorarprofessor an der Universität in Lodz, legt nun eine umfangreiche Arbeitüber Leben und Wirken dieses selbsüchtigen, korrupten , machtbesessenen und opportunistischen führenden Nazi vor.
Hitler entdeckte Frank als fähigen Juristen und machte ihn zu seinem persönlichen Rechtsvertreter in zahlreichen Beleidigungsprozessen. Frank wurde bald darauf Reichsleiter der Rechtsabteilung der NSDAP und führte den Bund Nationalsozialistischer Deutscher Juristen.
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde er Justizminister in Bayern, später Reichsminister ohne Portefeuille - gleichsam als "Belohnung" für seine Hilfe bei der Ermördung Röhms 1934.
Zum Generalgouverneur des polnischen Gebietes, das nach den deutschen und sowjetischen Annexionen übrig blieb, ernannte Hitler 1939 Frank. So wurde er am 29. Oktober 1939 Herrscher über ein mehr als 100.000 qkm großes Terrain mit fast 15. Millionen Bewohnern.
Ehrgeizig wollte Frank das Generalgouvernement zum "Mustergau" aufbauen- aber in erster Linie wurde es ausgeplündert, Juden wurden vernichtet, die polnische Elite ermordet.
Hans Frank "gönnte" sich einen luxuriösen Lebensstil, der ihm den Spitznamen " König Stanislaus " eintrug.
Die ausufernde Korruption - von Frank geduldet und gefördert - nahmen Partei - und SS-Kreise zum Anlass, die Position Franks zu schwächen. Hitler entzog ihm sämtliche Parteiämter. eine Entlassung als Generalgouverneur unterblieb.
Am 17. Januar 1945 verliessen Frank und sein Stab Krakau in Richtung Breslau, danach flüchtete er nach Neuhaus am Schliersee, wo er die "Außenstelle Generalgouvernement" eröffnet.
Der Autor legt mit seinem Buch eine umfassende und informative Biographie über den Mann vor, der zum dunkelsten Kapitel deutsch-polnischer Beziehungen zählt.



Gerke, Wilfried
Beiträge zur Geschichte der Deutschen in Polen während des Zweiten Weltkrieges. Herne 2004
Es geht in dieser Arbeit um das Schicksal der Angehörigen der deutschen Minderheit in der Zweiten Polnischen Republik unter der deutschen Besatzung Polens während des Zweiten Weltkrieges. Wilfried Gerke hat Beispiele für "Nonkonformismus" von Deutschen unter dem Besatzungsregime zusammengetragen, von Unzufriedenheit, von der von vorgegebenen nationalsozialistischen Normen abweichenden Verhalten, von Menschlichkeit. Gerke liefert Ausschnitte aus einem größeren historischen Geschehen, die dazu beitragen sollen, ein differenziertes, den Fakten gerecht werdendes Bild des Verhaltens von einheimischen Deutschen zu entwerfen.



Lättgen, Ottilia
Aus der alten Heimat Galizien in den Westen Deutschlands.Herne 2006 ( Erinnerung und Biographie der Deutschen aus Polen, 4 )
Die Autorin, 1929 im damals polnischen Ostgalizien geboren, schildert aus ihrer Erinnerungen zunächst zwei Sphären des Lebens der deutschen Minderheit im östlichen Galizien bis zum Zweiten Weltkrieg: das Dorf in der Sprachinsel Machliniec und die zentrale Stadt der Region Lemberg.
Im Dorf dominiert die traditionelle Lebensweise. Die Autorin schildert es als das Paradies der Kindheit , als solche unwiederholbar und für immer verloren. In der Stadt beschreibt sie aus ihrer damaligen Kinderperspektive das Leben der deutschen Minderheit subjeltiv und ohne Anspruch auf Repräsentativität.
Die "Umsiedlung" Ende Dezember 1939 auf der Grundlage des "Hitler-Stalin-Paktes" erlebt sie abseits jeder zeitgenössischen Propaganda als Katastrophe.
Zentral sind die Kindheitserinnerungen an das besetzte Warschau mit polnischem Widerstand und Ghettoaufstand. Über das Leben deutscher Zivilisten in der besetzten und umkämpften Hauptstadt gibt es sonst kaum Erinnerungen. Die Erlebnisse im besetzten Warschau sind ein zentraler Teil dieses Erinnerungsbuches, dessen Autorin nicht versucht, Probleme zu überdecken oder historische Fehler zu legitimieren.
Das Kriegsende im "Wartheland" schildert sie ebenso aus der Binnenperspektive der Jugendlichen wie die Flucht nach Sachsen. Hier beschwört sie kein falsches Heidentum, sondern eine traumatisierende Erfahrung.
Der Anfang in Westdeutschland ist schwer. Abseits der Ideologie der schnellen Integration beschreibt Lättgen die von ihr erfahrene Zeit ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit, aber auch ohne Beschönigung.
In der Summe liegt neben der prsönlichen Erinnerung für Familie und Freunde ein Bericht vor, der auch für den Außenstehenden ein Bild der Zeit entwirft, das nachdenklich macht.



Bearbeitet von Eligiusz Janus, Beata Nowak und Christoph Schutte
Bibliographie zur Geschichte Großpolens/Bibliografia historii Wielkopolski 2001

XLIX, 222 S., Marburg, 2006
ISBN: 978-3-87969-335-1

Der vorliegende Band beruht auf der Kooperation zwischen der Öffentlichen Wojewodschaftsbibliothek in Posen und dem Herder-Institut Marburg. Diese Kooperation ist Bestandteil eines internationalen Verbundes, der die wissenschaftliche Literatur zur Geschichte Ostmitteleuropas laufend in einer online-Datenbank nachweist und erschließt. Diese Literaturdatenbank ist online recherchierbar (www.litdok.de); die vorliegende Publikation stellt einen Auszug aus dieser Datenbank dar.
Die Jahresbibliographie 2001 verzeichnet 1796 Positionen; ausgewertet wurden rund 500 laufende Zeitschriftentitel und Schriftenreihen. Das Titelmaterial wird nach einer Systematik präsentiert; der Inhalt wird durch Register zu Autoren, Personen, geographischen Namen sowie je ein Sachregister in deutscher und polnischer Sprache erschlossen.




Dietmar Neutatz/ Volker Zimmermann (Hrsg.)
Die Deutschen und das östliche Europa. Aspekte einer vielfältigen Beziehungsgeschichte. Essen 2006
Diese Festschrift ist anlässlich des 65. Geburtstages von Detlef Brandes erschienen, dem Leiter des von ihm gegründeten Instituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa an der Heinrich-Heine-Universiät Düsseldorf. Es handelt sich um das einzigste Universitätsinstitut in Deutschland, das diesem (umfassenden) Themenkomplex gewidmet ist.
Und so ist in diesem Band ein breites thematisches Kaleidoskop vereinigt, aus dem sich drei Beiträge für unsere Kommission besonders hervorheben.
Es handelt sich dabei um den Aufsatz von Stefan Lehr über "Die `Rückforderung`preußischer Archivalien aus Warschauer Archiven im Ersten Weltkrieg", in dem er u.a. die Bemühungen des Leiters der Archivverwaltung in Warschau, Adolf Warschauer (1955-1930), um die Rückgewinnung preußischer Archivalien kenntnisreich schildert.
Sewerin Gawlitta widmet sich der Entstehung des polnischen Bildes von deutschen Kolonisten in dem Beitrag "Landwirte mit Pickelhaube? Deutsche Kolonisten im Spiegel kongresspolnischer Presse und Publizistik" - ein Forschungsfeld, das in Deutschland ein Schattendasein führt. Umso erfreulicher dieser kompetente Aufsatz.
Die "...Freikorpskämpfe in Posen und Oberschlesien 1919 -1921. Ein Beitrag zum deutsch-polnischen Konflikt nach dem Ersten Weltkrieg" beschreibt Boris Barth in seinem Beitrag zu dieser Festschrift, denen eine zentrale Bedeutung für die Bildung von neuartigen Feindbild-Stereotypen in der deutschen Reaktion zukommt.

Der zu Ehrende gehört zu den Gründungsmitgliedern der Deutsch-Tschechischen/ Deutsch-Slowakischen Historikerkommission -ein Großteil der in diesem Band vereinten Beiträge widmet sich daher speziell Fragen der deutsch-tschechischen Beziehungsgeschichte. Ein weiterer historiographischer Schwerpunkt gilt russischen Themen- ein weiteres Forschungsgebiet Detlef Brandes.




Ania Klijanienko
Lemberg entdecken. Streifzüge durch das kulturelle Zentrum der Westukraine , Berlin 2005 ISBN 3-89794-062-0

Seit den aufregenden Wochen nach den ukrainischen Präsidentschaftswahlen und der sogenannten „orangenen Revolution“ ist auch die Westukraine mit ihrem Zentrum Lemberg (ukrainisch Lviv) verstärkt ins Bewußtsein des Westens gerückt. In dieser Stadt spiegelt sich wie in keiner anderen die wechselvolle Geschichte dieser Region im Herzen Europas an der Ostgrenze der Europäischen Union.

Bereits seit dem Mittelalter entwickelte sich Lemberg zu einer glanzvollen multinationalen und multiethnischen Metropole. Habsburger, Polen, Deutsche, Ukrainer, Armenier und Juden hinterließen ihre Spuren und gaben der Altstadt ihr unverwechselbares Gesicht. Im Jahr 1998 wurde die Altstadt von Lemberg in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen, seitdem bemüht sich die Stadt verstärkt um Touristen aus dem Westen, die auf eine gute touristische Infrastruktur vertrauen können.
Der aktuell im Berliner Trescher Verlag erschienene Reiseführer „Lemberg entdecken“ führt mit zahlreichen Stadtspaziergängen in Geschichte und Gegenwart dieser beeindruckenden Stadt mit ihren
unzähligen Sehenswürdigkeiten und Architekturdenkrnälern. Zudem gibt es Vorschläge für Tagesausflüge ins landschaftlich reizvolle Umland der Stadt, die an den nördlichen Ausläufern der Karpaten liegt.
Die praktischen Reisetips bieten viele Hinweise zu Museen, Theatern, Restaurants und Hotels sowie Informationen zur Reisevorbereitung. Stadtpläne, Übersichtskarten und ein kleiner Sprachführer erleichtern die Orientierung.




Torsten Lorenz
Von Birnbaum nach Miedzychod. Bürgergesellschaft und Nationalitätenkampf in Großpolen bis zum Zweiten Weltkrieg (= Frankfurter Studien zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte Ostmitteleuropas 10). Berlin: BWV Berliner Wissenschaftsverlag 2005. ISBN 3-8305-0552-3; 441 S.; EUR 55,00.
"Von Birnbaum nach Miedzychód" hat Torsten Lorenz seine Dissertation betitelt. Er unternimmt darin jedoch keinesfalls eine Reise, sondern beschreibt, wie die im westlichen Großpolen gelegene Stadt Birnbaum (poln. Miedzychód) und der sie umgebende Landkreis sich im Zeitraum von 1793 bis 1945 gewandelt haben. Er versucht dabei nach eigener Aussage eine mikrohistorische Fallstudie vorzulegen, die den Alltag dreier Nationalitäten betrachtet, ohne den Kontext der deutsch-polnischen Beziehungs- geschichte aus den Augen zu verlieren. Gegenüber dem Großteil der bisherigen deutschen und polnischen Forschung ist sein integrierender Ansatz hervorzuheben, der versucht, die Region nicht
durch das Prisma „Nation“ zu erfassen. Er verfolgt damit einen ähnlichen Ansatz wie Matthias Niendorf [1], nur dass sich Lorenz bewusst von diesem dadurch absetzt, dass er mit seiner Untersuchung zeitlich früher einsetzt. Er begründet dies damit, dass sich seiner Meinung nach der Konflikt des deutschen und polnischen Nationalismus bereits um 1850 abzeichnete und spätestens 1871 offensichtlich wurde (S. 22). In diesem Zusammenhang erscheint es nur konsequent, dass Lorenz den Begriff „Nationalitätenkampf“ in den Untertitel seines Buches aufgenommen hat, obwohl die Lektüre einen anderen Eindruck vermittelt: Die städtische Bürgergesellschaft wurde mehrheitlich nicht durch den
Nationalitätengegensatz geprägt. Sie verhielt sich in weiten Teilen pragmatisch, da das eigene wirtschaftliche Wohlergehen von einem intakten Nachbarschaftsverhältnis abhing. Auch in der ländlichen
Umgebung war das nationale Moment keineswegs dominant. Lorenz’ Ausführungen sind daher ein Beleg dafür, dass mitnichten alle lokalen Entwicklungen analog zu den Erwartungen einer nationalen
Meistererzählung verliefen.

Beispielsweise führte selbst der Aufbruch des konfessionellen Gegensatzes zwischen den überwiegend evangelischen Deutschen und den fast ausschließlich katholischen Polen im Kulturkampf nicht automatisch zur nationalen Trennung, was am Beispiel eines polnischen Staatspfarrers
sichtbar wird, der anfangs noch von seiner mehrheitlich polnischen Pfarrgemeinde unterstützt wurde (S. 127f). Der Kulturkampf machte dennoch den sich verschärfenden nationalen Konflikt zwischen dem
preußisch-deutschen Staat und seinen polnischsprachigen Bürgern vor Ort greifbar und leistete somit einen wesentlichen Beitrag zur Trennung zwischen Deutschen und Polen, was Lorenz’ eingangs erwähnte These teilweise bestätigt. Trotz allem arbeitete der Großteil der polnischsprachigen Bevölkerung weiterhin aktiv in der lokalen Bürgergesellschaft mit, worauf zahlreiche polnische Innungsmitglieder
oder auch die Teilnahme des polnischen Handwerkervereins an der Feier des 100. Geburtstag Wilhelms I. im Jahr 1897 verweisen (S. 196). Die Grenzen der Trennung verliefen jedoch nicht immer zwischen deutsch und polnisch, sondern auch zwischen christlich und jüdisch, was in Birnbaum zur vorübergehenden Popularität des antisemitischen Christlich-Sozialen Vereins während der letzten Jahre des 19. Jahrhunderts führte. Die Bürgergesellschaft schaffte es jedoch meist von sich aus das Ausbrechen offener Konflikte zu verhindern, da dies dem Wohl aller geschadet hätte.
Das Alltagshandeln des Großteils der Bevölkerung wurde daher mehr von wirtschaftlichem Pragmatismus denn von der Verfolgung nationaler Interessen bestimmt.

Dies setzte sich auch nach dem staatlichen Übergang des Gebiets an Polen 1920 fort. Lorenz führt zahlreiche Beispiele auf, die der staatlichen propagierten Tendenz einer schnellst möglichen Repolonisierung entgegenwirkten. Beispielsweise sei hier auf den Antritt einer sich aus Polen und Deutschen zusammensetzenden bürgerlichen Liste zu den Kommunalwahlen 1921 verwiesen (S. 257). Das Miteinander im ländlichen Raum, das noch in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts beträchtliche
Ausmaße annahm, stellt eindrucksvoll eine der zahlreichen Abbildungen dar, die zeigt, wie die polnischen Arbeiter des deutschen Gutes Muchocin das Erntedankfest in polnischer Nationaltracht feierten (S. 243).
Allgemein ist positiv anzumerken, dass zahlreiche Tabellen und Grafiken den Text veranschaulichen. Lediglich das Fehlen einer Karte des Kreises Birnbaum sowie einer Übersichtskarte, die eine Verortung Birnbaums im deutsch-polnischen Kontaktbereich ermöglicht, ist zu bedauern.

Am Ende geht der Autor kurz auf das endgültige Zerbrechen der deutsch-polnisch-jüdischen Nachbarschaft in den Jahren 1939-1945 ein, wobei er für diesen Teil der Geschichte wesentlich weniger Quellen heranzieht als für die Schilderung des Wandels der demographischen und sozioökonomischen Strukturen im vorhergehenden Zeitraum. Dies erscheint jedoch im Hinblick auf die relativ gute Aufarbeitung gerade dieses Zeitraums in der großpolnischen Regionalgeschichtsschreibung legitim.
Ansonsten stellen die zahlreich eingesehenen Archivmaterialien sowie die Lokalpresse eine solide Grundlage für die Ausführungen von Lorenz dar, der damit einen überzeugenden Nachweis für den Wert chronologischer und quellenintensiver regionalhistorischer Forschung liefert. Lediglich an einigen Stellen hätte er seine Quellen indes stärker hinterfragen müssen. Gerade sein einleitendes Zitat eines „großpolnischen Landsmanns“, das Lorenz als Beweis dafür sieht, dass für Teile der Bevölkerung Nationalität nicht die führende Kategorie war, könnte man auch anders lesen. Da es aus einem Antrag auf Rücknahme der Option für Deutschland im Jahr 1923 stammt, könnte es sich auch um eine taktische
Aussage handeln, um dies zu begründen.

Anmerkung:
[1] Niendorf, Matthias, Minderheiten an der Grenze. Deutsche und Polen in den Kreisen Flatow (Zlotów) und Zempelburg (Skpolno Krajenskie)1900-1939, Wiesbaden 1997

Stefan Dyroff




Serrier, Thomas
Provinz Posen, Ostmark, Wielkopolska. Eine Grenzregion zwischen Deutschen und Polen 1848-1914 Marburg, 2005, € 39,00 ISBN: 3-87969-324-2

Die deutsch-polnische Grenze ist innerhalb der letzten beiden Jahrhunderte von einer gewaltigen Pendelbewegung gekennzeichnet, deren Ursachen nicht zuletzt in den politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen des "langen" 19. Jahrhunderts zu suchen sind. Die von 1793 bis 1918 preußisch administrierte Provinz Posen bildete mit ihren drei miteinander lebenden und konkurrierenden Bevölkerungselementen (Polen, Deutsche, Juden) und ihrem höchst fragilen Identifikationsangebot (Wielkopolska, Großherzogtum bzw. Provinz Posen, Ostmark) das Musterbeispiel einer Grenzregion auf einer schwierigen "Identitätssuche". In den Jahren 1848-1914 konvergierten bzw. divergierten die polnischen, deutschen und jüdischen Bestrebungen je nach Interessenlage und politischer Konjunktur.

Die vorliegende Studie untersucht den strategischen Gebrauch jener pluralen, oft spannungsreichen Identitäten, welche die jahrhundertealte Verflechtung der Geschichten und der Gedächtnisse in diesem plurinationalen Begegnungsraum hervorgebracht hatte. Ihr originärer Beitrag besteht in dem Versuch, die deutsche und die polnische Nation nicht als abgeschlossene Größe zu handhaben, sondern den multikulturellen Aspekt dieser Grenzregion ernst zu nehmen und die Vielfalt der stets offenen Identifizierungsprozesse zu veranschaulichen. Trotz der eindeutig wachsenden Kluft zwischen Polen und Deutschen bilden auf diese Weise nicht nur die trennenden Momente, sondern auch die weniger bekannten Berührungspunkte den Rahmen für diese geschichtliche Darstellung.

Thomas Serrier, 1971 in Frankreich geboren, ist Absolvent der Ecole Normale Supérieure in Paris. Er studierte Geschichte, Germanistik und Polonistik in Paris und Berlin. Seit 2001 ist er Dozent an der Universität Paris VIII und arbeitet zur Zeit als Gastwissenschaftler am Friedrich-Meinecke-Institut der FU und am Frankreich-Zentrum der TU Berlin.




Stefan Petriuk
Unruhstadt und Karge- eine im Zeitalter der Toleranz entstandene Stadt im Spannungsfeld zwischen Polen und Deutschen
Bis vor einem halben Jahr haben nicht nur die früheren sondern auch die jetzigen Einwohner die Stadt Kargowa, wie die Stadt heute heißt, und die auf dem halben Weg zwischen Wolsztyn (Wollstein) und Sulechów (Züllichau) liegt, gemeint, daß man geschichtlich zu diesem Ort eigentlich nicht s o viel sagen kann.
Der Autor, Stefan Petriuk, 1949 geboren , kann inzwischen auf ein umfangreiches Werk zu der Vergangenheit von Unruhstadt / Karge bzw. Kargowa verweisen.
Auf über 380 Buchseiten (einschließlich einer polnische Übersetzung) hat er minuziös die Geschichte dieses Ortes aufgeschrieben. Angefangen bei dem Treffen in Karge im Jahre 1157 von Kaiser Friedrich I. Barbarossa mit zwei polnischen Königen über die ausführliche Geschichte der Familien v. Unruh und Rothe/Richter, bis hin zu der Stadtgründung am 29. September 1655 als eine polnische Stadt.
Im Buch sind bedeutende Originalurkunden aus den Jahren 1637 (Marktrechte), 1655 (Stadtrechte) und 1661 (Bestätigung der Stadtrechte durch den polnischen König) in Farbe abgebildet. Der Autor schreibt ausführlich über das Schloß Karge und seine Vergangenheit, über die evangelische, katholische und die jüdische Gemeinde, ebenso über die deutsche Zeit seit 1793. Es sind neben der Unruhstädter Schützengilde, auch der Weinanbau, die Windmühlen, die Gefallenen im 1. WK., aber auch das Dorf Karge bis 1650 sowie die Garnisonstadt und der Postort ausführlich beschrieben. Einen besonderen Platz nimmt der Teil ab Januar 1945 und danach ein. Das sind nur einige Punkte. Das Buch ist reichlich bebildert (über 75 Abbildungen, zusätzlich 8 Seiten in Farbe) und zusammen mit einer kompletten Übersetzung ins Polnische als Buch erschienen.

Einband: Hardcover in Farbe, über 380 Seiten auf hochwertigem Papier, davon 8 Seiten in Farbe und 75 schwarzweiß Abbildungen, Preis 39,- Euro dazu 4 ,- Euro Porto.
Buchbestellung bei: Stefan Petriuk, Neue Strasse 3, D-24977 Langballigholz




Davies,Normann
Aufstand der Verlorenen.Der Kampf um Warschau. München 2004 ( ISBN : 3-426-27243-1 )
August 1944 : Als die Wehrmacht vor der unaufhaltsam vorwärtsdrängenden Roten Armee bis zur Weichsel zurückgewichen war, glaubten nicht nur die Menschen in Warschau, sondern auch die westlichen Alliierten, dass die Erorberung der Stadt unmittelbar bevorstehe.

Der polnische Widerstand mobilisierte 40.000 bewaffnete Kämpfer, um die Deutschen aus der Stadt zu vertreiben. Stalin jedoch dachte nicht daran, den Kampf der Polen zu unterstützen, sondern verurteilte den Warschauer Aufstand als kriminelles Abenteuer. Das verschaffte der Wehrmacht genügend Zeit, sich neu zu formieren, und Hitler befahl, den Aufstand mit allen Mitteln niederzuschlagen.

Dreiundsechzig Tage lieferte sich die Widerstandsarmee schwere Gefechte mit der SS und der Wehrmacht. Jede Woche, die der erbarmungslose Kampf andauerte, kostete Zehntausende wehrloser Zivilisten das Leben., während die sowjetischen Truppen von ihren Stellungen jenseits der Weichsel tatenlos das Geschehen verfolgten.
Polens westliche Verbündete äußerten zwar ihr Bedauern , entschieden aber, dass darüber hinaus wenig Möglichkeiten zum Eingreifen bestünden. So war das Opfer der Aufständischen vergebens : Hitlers Befehl wurde ausgeführt, Warschau ausradiert.
Es sollte Polen nicht gestattet sein, von Polen regiert zu werden.

Der Warschauer Aufstand, eine der dramatischsten Episoden des Krieges, ist von entscheidender Bedeutung für den Ausgang des Zweiten Weltkrieges und für den Beginn des "Kalten Krieges ". In diesem Buch werden die Spannungen und Brüche zwischen den Alliierten deutlich, die Krieg und Nachkriegszeit prägen sollten.




Jersch-Wenzel, Stefi (Hrsg. )
Quellen zur Geschichte der Juden in polnischen Archiven 1: Ehemalige preußische Provinzen. Pommern, Westpreußen, Ostpreußen, Preußen, Posen, Grenzmark Posen-Westpreußen, Süd- und Neuostpreußen. München 2003
Bei diesem Quellenverzeichnis handelt es sich um den ersten Anschlussband zur sechsteiligen Reihe "Quellen zur Geschichte der Juden in den Archiven der neuen Bundesländer";, die 1996-2001 erschien.
Ermöglicht wurde er durch den liberalisierten Zugang zu polnischen Archiven nach 1990.
Auch diese Reihe versteht sich als Grundlage für weiterführende Forschung zur preußisch-jüdischen und ab 1871 deutsch-jüdischen Geschichte. Deutlich wird das an der Entscheidung, nur Archivalien jener
Epochen zu verzeichnen, in denen die heute polnischen und russischen Regionen unter der Verwaltung des preußischen Staates standen. Wie wichtig die in diesem Band behandelten preußischen Ostprovinzen für die deutsch-jüdische Geschichte waren, zeigt die Tatsache, daß hier fast 60% aller preußischen und ein Drittel aller deutschen Juden lebten. Vor allem die Provinzen Westpreußen und Südpreußen/Posen zeichneten sich durch einen hohen jüdischen Bevölkerungsanteil aus.

Das Quellenverzeichnis gliedert sich in drei Teile. Im Hauptteil (Teil A) werden die Akten der Archive in den einzelnen ehemaligen Provinzen Pommern, Ost- und Westpreußen/Preußen, Posen/Grenzmark
Posen-Westpreußen, Süd- und Neuostpreußen aufgelistet. Grundlage für diesen Teil bilden die Findhilfsmittel der Archive, die in ihrer Struktur und Erschließungstiefe allerdings sehr heterogen sind.
Ein die archivalische Forschung erschwerendes Charakteristikum der preußischen Ostprovinzen ist die häufige territoriale und verwaltungsmäßige Umstrukturierung, die teilweise auf Herrschaftsveränderungen (polnische Teilungen, napoleonische Kriege, Weltkriege), teilweise auf innerstaatliche Neugliederungen
zurückzuführen sind. Die historischen, provenienzbildenden Behörden und die heutigen Archive mit ihren Einzugsbereichen sind meist nicht deckungsgleich. Sehr hilfreich sind deshalb die historischen
Einleitungstexte, die die Bearbeiter den einzelnen Territorien, Archiven und Bestandsgruppen voranstellen. Hierin wird auch auf verwaltungs- und bestandsgeschichtliche Besonderheiten eingegangen.


Archivfindbücher, wie sie für die Erstellung von Teil A dieses Bandes verwendet wurden, weisen nicht immer nach, daß eine Akte wichtige Informationen zur jüdischen Geschichte enthält. Daher wurden für den Teil Teil B des Buches beispielhaft die Akten ausgewählter Bestände des Staatsarchivs Posen
einzeln durchgesehen. Dieses Vorgehen erwies sich als ausgesprochen ergiebig. Teil B umfaßt 25 % des Quelleninventars. Hier wird deutlich, daß für Spezialstudien durch systematische Akteneinsicht auch in anderen Archiven noch weit umfangreichere Bestände zur jüdischen Geschichte erschlossen werden können.

Den dritten Teil des Bandes ;bildet der Versuch einer Rekonstruktion des Gemeindearchivs der Jüdischen Gemeinde Bromberg (Bydgoszcz). Die Akten dieser Gemeinde liegen im Staatsarchiv Bromberg,
im Archiv des Berliner Centrum Judaicum, im Jüdischen Historischen Institut Warschau, im Zentrum zur Aufbewahrung historisch-dokumentarischer Sammlungen ("Sonderarchiv") des Russischen Staatlichen Militärarchivs Moskau und in den Central Archives for the History of the Jewish People in Jerusalem. Die virtuelle Wiedervereinigung der Bestände bietet nicht nur eine ausgezeichnete Grundlage für die Erforschung der Bromberger Juden. Sie belegt auch die Zerrissenheit der Quellengeschichte, als deren Resultat ein ursprünglich zusammengehöriger Aktenbestand heute auf vier Staaten und fünf Archive
verteilt ist. Erfreulicherweise berücksichtigt die Rekonstruktion des Gemeindearchivs auch die Akten der Jahre ab 1919, als das im Posenschen liegende Bromberg zum neugebildeten polnischen Staat gehörte.

Die Bestände des Jüdischen Historischen Instituts Warschau wurden , mit der Ausnahme Brombergs . in diesem Band nicht erfaßt. Da ihr Schwerpunkt auf Archivalien zur Provinz Schlesien liegt, wird ein vollständiges Inventar zu dieser Institution im Band 2 der Reihe folgen.




Stanislaw Jedryka / Christoph Schröder
Bibliographie zur Geschichte der deutsch - polnischen Beziehungen 1999. Marburg 2003
( Bibliographien zur Geschichte und Landeskunde Ostmitteleuropas, 31 ) ISBN : 3 - 87969 -309 -9
Mit diesem Band wird die bibliographische Arbeit des Herder - Instituts auf die Geschichte der deutsch-polnischen Beziehungen ausgeweitet. Die vorliegende Publikation, die zugleich als Beiheft der Zeitschrift "Inter Finitimos" erscheint, wurde auf Grundlage der Literaturdatenbank zur Geschichte Ostmitteleuropas erstellt, die im Internet unter der Adresse http://www.herder-institut.de recherchierbar ist.
Als relevant für die Aufnahme in diese Bibliographie wurden diejenigen Titel erachtet, die Kontakte zwischen Bevölkerungsgruppen, Organisationen, Kommunen, Regionen, Staaten und Armeen thematisieren, bei denen die deutsche bzw. polnische Nationalität, Herkunft oder Identität der Akteure im Vordergrund steht.
Diese Bibliographie verzeichnet 1406 Positionen, ausgewertet wurden etwa 700 laufende Zeitschriften und Schriftenreihen. Die Titel lassen sich durch ein Autorenregister, Personenregister, geographisches Register und Sachregister sowie Annotationen in deutscher und polnischer Sprache erschließen.



Rhode, Arthur
Erinnerungen an die Kriegszeit in der Provinz Posen 1914- 1920. Herne 2003,
Durchgesehen, annotiert und mit einem Nachwort versehen von Wolfgang Kessler;ISBN 3-923371-25-X
Arthur Rhode ( 1868 - 1967 ) war von 1895 bis 1920 evangelischer Pastor in Schildberg ( Ostrzeszów) im Südostwinkel der preußischen Provinz Posen, einer der wenigen Gemeinden mit polnischen Protestanten. Seit 1920 Superintendent in Posen ( Poznan) , gehörte er zur Führung der deutschen evangelisch - unierten Kirche in der Provinz bzw der Wojewodschaft Posen ( Poznan ) im polnischen Staat von 1920 bis 1945. Hier war er theologisch sowie seit den 1930er Jahren und nach 1945 in Berlin und Westdeutschland vor allem kirchengeschichtlich aktiv.
Die " Geschichte der evangelischen Kirche im Posener Lande" stellte 1956 die Summe dieser Arbeiten dar.
Die Aufzeichnungen über die Jahre 1914 bis 1920, Teil eines größeren Erinnerungswerkes, hat Rhode 1920 konzipiert und von 1934 bis 1936 in die hier vorliegende Form gebracht. Er hat sie für seine Kinder und Enkel, also nicht für die Öffentlichkeit, bestimmt. Sie enthalten seine Erfahrungen und Beobachtungen und - aus der Distanz - reflektierte - Meinungen. Sie geben uns aus der Perspektive eines sozial und politisch national engagierten deutschen evangelischen Pfarrers in der Provinz Posen für die Zeit vom Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 bis zum Übergang des größten Teils der Provinz an die Republik Polen 1920 Einblicke in das Leben in der Region und im von deutschen Truppen besetzten "Kongreßpolen".
Wie kein anderer Repräsentant seiner Kirche in Polen ist Arthur Rhode in jüngster Zeit von der polnischen Forschung gewürdigt worden. Seine Erinnerungen für die Zeit vor 1914 werden derzeit in Polen zur Edition und Übersetzung vorbereitet.


Dieses Buch ist ( als 2. Band in der Reihe "Erinnerung und Biographie der Deutschen in Polen" erschienen und hrsg. von der Kommision für die Geschichte der Deutschen in Polen e.V. ) für eine Schutzgebühr von 16,80 Euro ( zzgl. Porto ) über die
Stiftung Martin - Opitz - Bibliothek
Berliner Platz 5

44623 Herne

zu beziehen.




Heike, Otto
Leben im deutsch - polnischen Spannungsfeld. Herne 2002
Erinnerung und Biographie der Deutschen in Polen ( Hrsg. von der Kommission für die Geschichte der Deutschen in Polen) ISBN : 3-923371-21-7)
Die Kommission für die Geschichte der Deutschen in Polen hat in zweiter Auflage die Lebenserinnerungen dieses deutschen Sozialisten aus Lodz herausgegeben. Diese Autobiographie ist ein interessantes Zeitdokument eines Auslandsdeutschen im Fokus polnischer, deutscher und russischer Geschichte.



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Wissenschaftlicher Informationsdienst deutsch -polnische Beziehungen
In den vergangenen Jahren sind neue Möglichkeiten für die wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Polen entstanden. Der Wissenschaftliche Informationsdienst deutsch - polnische Beziehungen INTER FINITIMOS möchte dazu beitragen, den gegenseitigen Austausch von Informationen zu intensivieren und die wissenschaftliche Kooperation auszubauen. Er ist damit ein Hilfsmittel für Wissenschaftler, Publizisten, Institutionen und alle, die sich mit Fragen der deutsch - polnischen Beziehungen beschäftigen.
Der Informationsdienst dokumentiert schwerpunktmäßig historische, aber auch andere geistes - und sozialwissenschaftliche Forschungsvorhaben und Projekte zu den deutsch - polnischen Beziehungen und bietet so ein Forum, das bereits bei der Projektierung und Materialsuche für wissenschaftliche Arbeiten Anregungen vermittelt und einen Austausch ermöglicht und fördert. Ferner werden Forschungseinrichtungen und - schwerpunkte sowie Archive und Quellenbestände vorgestellt und in der Rubrik "Im Brennpunkt" Forschungskontroversen und aktuelle Probleme der deutsch - polnischen Beziehungen diskutiert. Jede Ausgabe von INTER FINITIMOS enthält einen Besprechungs - und Annotationsteil, Tagungsberichte und - ankündigungen sowie Kurzinformationen und Notizen.
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